Top-Idee oder Abknicker?

Ökologisch produziert, biologisch abbaubar und im schicken Kieler-Woche-Design: die neuen Papierstrohhalme. Foto: Svenja Paetsch

Wir haben die neuen Papierstrohhalme im Kieler-Woche-Design getestet

Kiel. Es ist eine der kleineren und unauffälligeren Neuerungen zur 125. Kieler Woche, die nichtsdestotrotz einen gewaltigen Wirbel verursacht: Alle Kieler-Woche-Partner haben sich verpflichtet, auf Plastikstrohhalme zu verzichten – und das lange vor dem offiziellen EU-Verbot. Stattdessen werden nur noch biologisch abbaubare Halme verwendet, zum Beispiel die ökologisch produzierten Papierstrohhalme im Kieler-Woche-Design. Doch was taugen die neuen Trinkhalme?

Der erste Eindruck: Sie sehen richtig schick aus. Blau-weiß, in Anlehnung an das Plakat designt, machen sie sich im neuen KiWo-Pfandbecher besonders gut. Der Trinkhalm fühlt sich zwar anders an als der gewohnte Plastikstrohhalm, dem Geschmack tut das aber keinen Abbruch.

Im Übrigen sind es gerade der unverfälschte Geschmack, die Optik und die Filterfunktion – zum Beispiel von Crushed Ice oder Zitronenkernen –, die Trinkhalm-Befürworter an dem dünnen Röhrchen besonders schätzen. Diese Funktion erkannten schon die alten Sumerer: Bereits um 3000 v. Chr. nutzten sie die Halme, um die Nebenprodukte der Fermentation, die bei der Herstellung des selbstgebrauten Biers anfielen, herauszufiltern.

Zurück zum Papierstrohhalmtest: Für das Foto bleibt der Trinkhalm für zehn Minuten im Becher stehen. Wer erwartet, dass er sich in dieser Zeit komplett auflöst, wird doch positiv überrascht: Das Ende ist zwar etwas aufgeweicht, doch trotzdem noch komplett funktionstauglich. Immerhin: Auch vorsichtiges Umrühren und leichtes Stochern auf den Limettenstücken tut der Haltbarkeit keinen Abbruch. Nach weiteren 20 Minuten fängt das untere Ende des Strohhalms dann doch an, sich aufzulösen, und der Strohhalm knickt in der Mitte durch. Doch auch das stellt kein echtes Problem dar – halten doch nur wenige Cocktails länger als eine halbe Stunde. Wer die Haltbarkeit verlängern möchte, kann den Strohhalm zwischendurch umdrehen und das vom Getränk durchweichte Ende als Mundstück nehmen, oder den Strohhalm in den Trinkpausen gleich ganz aus dem Getränk nehmen – der Aufwand hierfür ist jedem selbst überlassen.

Fazit: Die Kieler-Woche-Strohhalme sind eine gute Sache. Sie erfüllen ihren Zweck, sehen schick aus – und dabei tun Cocktail-Freunde noch etwas Gutes für die Umwelt. Schließlich verrotten die Papierstrohhalme und brauchen nicht wie ihr Plastik-Pendant über 400 Jahre, um in immer kleinere Teile zu zerfallen. Wer ganz auf Wegwerfartikel verzichten möchte, der bringt einfach als Alternative einen wiederverwendbaren Strohhalm aus Bambus, Edelstahl oder Glas mit oder verzichtet vielleicht komplett auf die Trinkhilfe – der Umwelt zuliebe. svp