Signal setzen zum Gedenken

Am 9. November wollen Benjamin Walczak und Friederike Wenk vom Ortsbeirat sowie Gerd Rosenthal vom Stadtteilnetzwerk Niki (von links) gemeinsam mit vielen Bürgern des Stadtteils die Stolpersteine in der Holtenauer Straße zum Leuchten bringen und damit an die Reichspogromnacht erinnern.

Aktion „Unser Stadtteil leuchtet“ lädt zum Erinnern an die Pogromnacht ein


Kiel. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10 November 1938 wurden auch in den Stadtteilen Ravensberg, Brunswik und Düsternbrook Schaufenster jüdischer Geschäfte zertrümmert und unschuldige Juden verhaftet und ermordet. Mit Mahnwachen, Lichterspaziergängen und einer Gedenkveranstaltung wollen Bürger, Kaufleute, Vereine und Institutionen am kommenden Sonnabend entlang der Holtenauer Straße und am Blücherplatz an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und ein Zeichen gegen rechtes Gedankengut in der heutigen Zeit setzen.

Vor den Häusern in der Holtenauer Straße 13, 32, 37, 59a, 103, 122 sowie in der Waitzstraße 58a wird es am 9. November ab 16.30 Uhr Mahnwachen geben. Die Bürger versammeln sich dort an den Stolpersteinen auf den Gehwegen, die an Kieler erinnern, die durch nationalsozialistische Gewalt zu Tode kamen. Ebenfalls um 16.30 Uhr beginnt am Café Knoop am Blücherplatz ein Rundgang entlang der dortigen Stolpersteine. Ab 17 Uhr starten von den Stolpersteinen aus dann Lichterspaziergänge zur Mensa der Reventlouschule in der Beselerallee 45-53, wo von 17.30 bis 18.30 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit Redebeiträgen und Klezmermusik stattfindet.

Haupt-Initiator der Aktion „Unser Stadtteil leuchtet“ ist das Stadtteilnetzwerk nördliche Innenstadt Kiel (Niki), das vom Ortsbeirat, den Kaufleuten in der Holtenauer und vielen Vereinen und Institutionen unterstützt wird. „Wir wollen mit der Aktion zum einen an die Nazi-Pogrome von 1938 erinnern, aber auch für den Erhalt unserer offenen, toleranten, rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaft eintreten“, erklärt Ortsbeirats-Vorsitzender Benjamin Walczak und hofft auf viele Teilnehmer. Gerade im Hinblick auf den Anschlag von Halle soll die Veranstaltung auch ein Signal des Rückhalts und der Unterstützung an die jüdische Gemeinde sein, so Walczak.

Bereits 2018 gab es Mahnwachen an den Stolpersteinen in der Holtenauer Straße. Diesmal können dank eines Zuschusses in Höhe von 1000 Euro aus dem Topf des städtischen Förderprogramms „Zusammenhalt stärken – Teilhabe sichern“ die Gedenk-Aktionen im Stadtteil am 9. November noch ausgeweitet werden. kae

Weitere Veranstaltungen in ganz Kiel

Viele Veranstaltungen rund um den 9. November laden zum Erinnern ein

Kiel. Unter anderem in Kooperation mit der Landeshauptstadt Kiel und den Jüdischen Gemeinden in Kiel wird die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein mit Gedenkveranstaltungen in Kiel an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erinnern.

So wird es am kommenden Sonnabend, 9. November, von 17 bis 21 Uhr eine Gedenkveranstaltung des Vereins Mahnmal Kilian im Flandernbunker, Kiellinie 249, geben. Max Kuiper und das Musikduo „This Honorable Fish“ bieten eine vierstündige Performance, die immer wieder Fragmente aus dem berühmten Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan auftauchen lässt.

Mit dem Oratorium „Israel in Egypt“ von Georg Friedrich Händel ruft die Heinrich-Schütz-Kantorei die biblische Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten in die Freiheit ins Gedächtnis. Das Oratorium erklingt am Sonnabend ab 19 Uhr in der Citykirche St. Ansgar, Holtenauer Straße 91, und am Sonntag, 10. November, ab 17 Uhr in der Pauluskirche, Niemannsweg 16. Karten: zwischen 10 und 23 Euro gibt es in der St. Ansgarkirche, bei Ruth König Klassik, bei der Konzertkasse Streiber und an der Abendkasse.

Der Gottesdienst am Sonntag ab 10 Uhr in der St. Ansgarkirche widmet sich dem Gedenken an diejenigen, die während der NS-Terrorherrschaft Juden zum Überleben verholfen haben und als „Gerechte unter den Völkern“ in Jerusalem gewürdigt wurden.

Am Montag, 11. November, ab 11 Uhr findet die offizielle Mahn- und Gedenkversammlung der Landeshauptstadt Kiel am Mahnmal der ehemaligen Synagoge am Schrevenpark, Ecke Humboldt- und Goethestraße statt. Gestaltet wird die Versammlung von verschiedenen Rednern und Musikern. Ab 12 Uhr wird zu einem etwa zweistündigen kostenlosen Stadtrundgang „Kiel im Nationalsozialismus“ eingeladen. Treffpunkt: an der Bushaltestelle „Kunsthochschule“ am Knooper Weg.

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region, wird am Mittwoch, 13. November, ab 12 Uhr eine Führung über den alten Jüdischen Friedhof, Michelsenstraße 20, anbieten. Und für Dienstag, 19. November, ab 17 Uhr lädt die Jüdische Gemeinde Kiel und Region in die Wikingerstraße 6 zum Klavierkonzert ein.

„Jüdisches Leben in Deutschland: Stolpern wir noch über Stolpersteine?“ lautet der Titel einer Veranstaltung, die am Mittwoch, 20. November, ab 19 Uhr in der Hermann-Ehlers-Akademie, Niemannsweg 78, stattfinden wird. Miriam Rürup, Professorin an der Universität Hamburg und Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, spricht zum aktuellen Antisemitismus und zu Fragen, wie die Gesellschaft jüdisches Leben in Deutschland wahrnimmt.