Schön, wuchtig und begehrt

Einen traumhaften Blick genießen die Bewohner des Hauses von der Terrasse des Restaurants aus, der Öffentlichkeit bleibt dieser Blick jedoch verwehrt.

Begeisterung und Kritik für das neue Seniorenzentrum in Heikendorf


Heikendorf. Rund um den Langen Rehm war in Heikendorf kein Parkplatz mehr zu finden, in Scharen strömten Anwohner und Neugierige zum Haus Rehmgarten, dem neuen Heikendorfer Seniorenzentrum, das vor wenigen Tagen zur feierlichen Eröffnung eingeladen hatte. Sechs Jahre lang hatte die Gemeinde darauf gewartet: 2013 musste die Kieler Stadtmission ihre bis dahin an gleicher Stelle befindliche Pflegeeinrichtung schließen. Damals war die Angst nach der kurzfristigen Schließung groß, ob und wie ein vergleichbares Pflegeangebot in Heikendorf aufrecht erhalten werden könne. Nun, sechs Jahre später, ist ein modernes Haus mit verschiedenen professionellen Beratungs-, Pflege-, Betreuungs- und Wohnformen entstanden, das dieses bis dato schmerzlich vermisste Angebot abdeckt. Circa zwölf Millionen Euro hat die Bauherrin, die Weiland/Dahmke WD Vermögensverwaltung GmbH, in den viergeschossigen Neubau mit Staffelgeschoss investiert, Betreiber der Einrichtung ist die Stiftung Kieler Stadtkloster, die in Kiel bereits acht Pflegeeinrichtungen unterhält. Doch in den Beifall, den es für die freundlichen Begrüßungsworte von Eva El Samadoni vom Stiftungsvorstand und Heikendorfs Bürgermeister Tade Peetz gab, mischte sich auch jede Menge Kritik an dem umstrittenen Bau. Zu hoch, zu massiv – ein Störfaktor im Wohngebiet, der zu viel Schatten auf die angrenzenden Einfamilienhäuser werfe und zudem den Pflegebedarf der Gemeinde lange nicht abdecke.

Dabei sind im Haus Rehmgarten 23 Wohnungen mit Service, eine ambulante Pflege, eine Tagespflege mit 16 Plätzen sowie zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften mit je zwölf Plätzen entstanden. Eine davon für Menschen mit allgemeinem Betreuungsbedarf, die andere speziell für Menschen mit Demenz. Auf der vollstationären Pflegestation des Hauses bieten 31 Einzelzimmer den Bewohnern ein neues Zuhause – ein Angebot zur Kurzzeitpflege ist hier integriert. „Wir sind mit der Erstbelegung mehr als zufrieden und freuen uns sehr, dass das Haus jetzt mit Leben gefüllt wird“, sagt Frank Dahmke, einer der beiden Investoren, anlässlich der Einweihungsfeier. Einrichtungsleiterin Susanne Klemm ergänzt: „Jetzt schon sind die Wartelisten lang.“ Das neue Seniorenzentrum will nicht nur mit seinem professionellen Pflege- und Betreuungsangebot für Senioren punkten, sondern auch mit einer Tagesgruppe für bis zu fünf Kinder unter der Leitung des Vereins Pädiko. „Auch dafür ist bereits der erste Vertrag unterschrieben“, so Claus Möller, Vorsitzender des Stiftungsrates. Absolutes Highlight der Einrichtung ist aber das Restaurant „Rehmkogge“, in dem die Bewohner sich im Staffelgeschoss nicht nur kulinarisch verwöhnen lassen, sondern vor allem den Blick über die gesamte Förde genießen können. Leider wird das Restaurant entgegen der ursprünglichen Planung nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Lediglich ein Multifunktionsraum im Obergeschoss ist für gesellschaftliche Veranstaltungen auch für Privatpersonen zu mieten. Trotz aller Kritik ist sich Bürgermeister Tade Peetz sicher: „Die Akzeptanz für dieses Projekt wird sich im Laufe der Zeit sicherlich steigern.“ vmn