„Mensch, wo bist Du?“

Wie durch ein Wunder blieb der jüdische Friedhof in der Kieler Michelsenstraße unversehrt. Viktoria Ladyshenski führt Interessierte über das Gelände und gibt dazu Informationen. Foto: jrk

Veranstaltungen zur Woche der Brüderlichkeit in Kiel

Kiel. Mit einer zentralen Feier im Staatstheater Nürnberg wird am Sonntag, 10. März, die diesjährige „Woche der Brüderlichkeit“ eröffnet. Auch in Kiel wird es eine Reihe von Veranstaltungen geben. Diese seit vielen Jahrzehnten vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ausgerichtete Woche steht unter dem Motto „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“.

In Kiel lädt am Sonntag, 10. März, ab 10 Uhr der Arbeitskreis Ideologiekritik Kiel in Kooperation mit der Regionalgruppe Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste Schleswig-Holstein zur Vorführung des neunstündigen Films „Shoah“ (1985) des im vergangenen Jahr verstorbenen Claude Lanzmann in die Hansastraße 48 ein. Anschließend wird um 20 Uhr David Hellbrück am gleichen Ort über „Kunst nach Auschwitz: Claude Lanzmanns Filmkunstwerk und das Versagen der Sprache“ referieren und damit zur Diskussion anregen.

Auch die „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein“ bietet wieder Veranstaltungen an. So wird es erneut in Kooperation mit der Förde-Vhs, der Deutschen Vereinigung für politische Bildung, der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region und dem Pädagogisch-Theologischen Institut der Nordkirche am Mittwoch, 13. März, von 13 bis 18 Uhr in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region, Wikingerstraße 6, eine Fachtagung für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Interessierte zum Thema „Jüdisches Leben heute – Strategien gegen Antisemitismus“ geben.

Am Montag, 18. März, ab 14 Uhr, bietet Viktoria Ladyshenski von der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region eine Führung über den alten jüdischen Friedhof in der Michelsenstraße 20 an.

Unter der Überschrift „Die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach und `die Juden´“ wird Propst em. Jörgen Sontag am Dienstag, 19. März, ab 19.30 Uhr in der Citykirche St. Ansgar, Ecke Holtenauerstraße/Waitzstraße, fragen, ob und wenn ja: wie die Musik Bachs die judenfeindlichen Passagen der christlichen Passionsgeschichte verstärkt.

In der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, Am Wall 47-51, wird am Mittwoch, 20. März, ab 19 Uhr, Pastor em. Joachim Liß-Walther, einen Vortrag halten über das hierzulande eher unbekannte israelische Nationaldrama „Saul, der erste König Israels“ von Max Zweig, auf dessen Leben und Werk dabei knapp eingegangen werden soll.

Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit verleiht der Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit jährlich außerdem die Buber-Rosenzweig-Medaille für herausragendes Engagement um die Verständigung zwischen Christen und Juden. Sie geht in diesem Jahr an die „Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus“ und das bundesweite „Netzwerk für Demokratie und Courage“.