Kurt Riecke – Probst zu Land und Wasser

Bad Bramstedt. Kurt Riecke ist Probst im Kirchenkreis Altholstein, er ist für zehn Gemeinden verantwortlich, nimmt zahlreiche leitende Aufgaben für die Mission, Ökumene und Kriegsgräberfürsorge war und ist Mastercoach, Mediator und Autor einer Reihe von Büchern. Sporadisch predigt er auf Kreuzfahrtschiffen.

Sein Werdegang wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Den 63-jährigen gelernten Versicherungskaufmann führte sein Weg von Hamburg über Nordfriesland und Papua-Neuguinea nach Bad Bramstedt. „In der Bearbeitung von Industrieversicherungen sah ich nicht mein Lebensziel“, erzählt er. Riecke interessierte sich eher für die Menschen in ihrer Vielfalt und das christliche Zusammenleben in der Gesellschaft. Über den Umweg einer Freikirche, die er für zu sehr auf sich selbst bezogen erlebte, studierte er Evangelische Theologie, wurde Vikar in Büsum, wo ihn ein Geistlicher auf eine Missionstätigkeit im Inselstaat Papua-Neuguinea hinwies.

Jedoch erst als Riecke einheimische Geistliche aus Papua-Neuguinea und deren Authentizität und Herzenswärme kennenlernte, entschied er sich, für sieben Jahre in den pazifischen Inselstaat zu gehen. Er nahm seine Familie mit, die Tochter war gerade vier Monate alt, der Sohn wurde dort geboren. Riecke lebte dort im westlichen Hochland der Insel, wo die ersten Weißen erst 30 Jahre zuvor eintrafen. In Mount Hagen, der viertgrößten Stadt des Landes, und Umgebung bildete Riecke kirchliche Mitarbeiter und Geistliche aus. Dazu lernte er Pidgin, die Sprache der Einheimischen, die er noch heute fließend beherrscht.

„Nein, ganz ungefährlich war meine Mission nicht“, gesteht er. Bei Tätigkeiten im Urwald kam es schon mal zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Stämmen. „Bleibt bitte in euren Häusern, wenn ihr Kampfgetümmel hört“, rieten die verfeindeten Parteien den Missionaren und ihren Mitarbeitern, denn diese galten in den Augen der Kämpfer als „friedliche Neutrale“. „Naja, da flogen dann die Pfeile und Lanzen schon mal um das Haus, und Tote gab‘s auch“, erinnert sich Riecke.

„Als mich dann der Bischof 1992 nach siebenjähriger Missionstätigkeit verabschiedete, sagte er: Du gehst jetzt wieder zurück in das Land der Denker, verlässt aber das Land der Herzen“.

Riecke wurde für elf Jahre Leiter des nordelbischen Missionszentrums in Breklum und danach sieben Jahre Pastor in Ostenfeld. Hier gründete der Geistliche den ersten kirchlichen Ruheforst in Schleswig-Holstein und einen Waldkindergarten .

Ist Kurt Riecke jetzt angekommen? „In meiner jetzigen Funktion finde ich alles, was mich bisher bewegt hat, hier hat alles seinen Platz,“ resümiert er.

Im Januar geht Riecke mit der „Europa“ dienstlich auf Kreuzfahrt in den Pazifik, denn die Reederei suchte einen Geistlichen, der Pidgin spricht. bmd