Kunst zum Be-Greifen

Bedrohte Tierarten, geschaffen aus bedrohten Hölzern, zeigen Marcus Meyer (li.) und Thomas Heweling noch bis zum 31. Mai in der Schloßstraße. Foto: kst

Ausstellung im Schlossquartier sensibilisiert ästhetisch für den Naturschutz

Kiel. Die Holztiere, die der Kieler Künstler Marcus Meyer aktuell unter dem Titel „Human – Nature – Future“ in einer Pop-up-Galerie im Kieler Schlossquartier ausstellt, beeindrucken sofort. Nicht nur durch ihre figürliche Ausarbeitung und Formgebung, sondern auch durch die Farbe der Hölzer und die sorgfältig geglätteten Oberflächen. Die muss man einfach anfassen! – Muss man tatsächlich. Denn Marcus Meyer hat eine Botschaft, und damit sie seine Besucher erreicht, sollen diese seine Holztiere berühren und darüber Kontakt aufnehmen mit dem, was sie darstellen. Sein Thema ist ein ernstes: das von Menschen verursachte Aussterben von Arten. Ob Berggorilla, Blauhai, Brillenpinguin oder Wachtelkönig: Überall auf der Welt sind Tierarten durch menschliches Handeln vom Aussterben bedroht, so Meyers Botschaft. Darum sind seine Tiere beschädigt: Sie haben Löcher und Dellen oder sind wie sein Berggorilla zum größten Teil weg.

Um seine Botschaft noch zu verstärken, arbeitet Marcus Meyer mit Tropenhölzern, die ihrerseits selbst schon symbolisch für die menschliche Ausbeutung und Zerstörung der Natur stehen. So glänzt der Gorilla in schwarzem Ebenholz, sein verbeulter Blauhai ist aus rotem Bubinga-Holz, der Wachtelkönig ist aus braunem Teak und der Brillenpinguin weist die goldgelbe Farbe des indonesischen Satinholzes auf.

Alle Hölzer sind nur geölt und zeigen ihre natürliche Farbe. Für die Ver- und Bearbeitung der verschiedenen Holzarten arbeitet Marcus Meyer seit mehr als zehn Jahren mit dem Tischlermeister, Innenarchitekten und Künstler Thomas Heweling aus Nordrhein-Westfalen zusammen, der auch das Raum- und Lichtkonzept für diese Ausstellung entworfen und umgesetzt hat. Gemeinsam haben sich die beiden das Ziel gesetzt, die Perspektive der Menschen zugunsten der Natur zu verschieben. Die Pop-Art-Galerie in Kiel soll nach Möglichkeit nur ein Anfang sein. Der Traum der beiden ist eine Dauerhafte Galerie, am liebsten mit kleiner Gastronomie, in der die Besucher die Werke nicht nur kaufen, sondern den Künstlern auch bei der Arbeit zusehen und mit ihnen ins Gespräch kommen könnten.

Zunächst aber werden Marcus Meyer und Thoma Heweling so oft es ihre Arbeit zulässt in der Pop-up-Galerie anwesend sein, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Die Besucher können sich aber auch im Ausstellungsraum an den großen Holztisch in Form eines anfliegenden Falken setzen und miteinander ins Gespräch kommen.kst

Die Ausstellung „Human – Nature – Future“ ist in der Schloßstraße 4 in Kiel noch bis 31. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Mo 10-12 Uhr, Fr 10-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr und nach Absprache per Mail an info@marcus-meyer-design.de oder unter Tel. 0176/41052842. Eintritt frei.