Ein Hauch Broadway in Kiel

Brillierten als Jerry Mulligan und Milo Davenport: Peter Lesiak und Léonie Thomas Salfeld in „Ein Amerikaner in Paris“. Foto: Olaf Struck

Erfolgreiche Premiere für ein „Amerikaner in Paris“ im Opernhaus

Kiel. Am Ende hielt es kaum einen Premierenbesucher auf seinem Stuhl. Nachdem schon nach den ersten zwölf Minuten die ersten Fingerschnippser zu Gershwins „I got Rhythm“ im Parkett zu hören sind, gibt es zum Schlussapplaus stehende Ovationen für die Sänger und Tänzer, die unter Regisseurin und Choreographin Ricarda Ludigkeit eine tolle Performance geliefert haben.

Dynamisch, leicht und mit viel Spielfreude tanzt, steppt und singt sich das Ensemble im Nu in die Herzen der Zuschauer, die den Film-Musical-Klassiker als Deutschland-Premiere in Kiel erleben durften. 60 Jahre hatte es gedauert, bis es der so sehr von Gene Kelly und Leslie Caron getragene Film dort hin geschafft hatte, wo ein Musical ursprünglich hingehört: auf die Bühne.

Und genau dort schwingen in der wunderschön von Hans Kudlich geschaffenen Kulisse, die ihre Zuschauer durch riesige Schwarz-Weiß-Fotografien im Hintergrund ins Paris der Nachkriegszeit entführt, Peter Lesiak als GI Jerry Mulligan (herrlich direkt und liebestrunken) und Lynsey Reid als Lise Dassin das Tanzbein, während sie hin- und hergerissen zwischen Liebe, Verpflichtung und Erfolg ihren Platz im Leben suchen. Mulligan ist nach dem Krieg in Paris geblieben, um sich hier als Künstler zu verdingen, er verliebt sich in eine Unbekannte (Lise) und lernt den kriegsversehrten Musiker Adam Hochberg (Hermann Bedke) kennen, der ihn mit dem reichen Industriellensohn Henry Baurel (Sascha Stead) bekanntmacht, der von einer Karriere als Chansonnier träumt und kurz vor der Verlobung mit einer seiner Familie sehr nahestehenden jungen Dame steht: Lise. Mulligan wird umgarnt von der reichen Mäzenin Milo Davenport – genial egozentrisch verkörpert von Léonie Thoms Salfeld. Das Spiel der Liebe, der Irrungen und Wirrungen nimmt seinen Lauf. Und unter der musikalischen Leitung von Daniel Carlberg und dem virtuosen Spiel des Philharmonischen Orchesters Kiel immer mehr Fahrt auf. Unheimlich viele und schnelle Bildwechsel werden ins Stück spielerisch eingebunden, sodass der Fluss und das Tempo gehalten werden können. Flink, aber ohne Hast, mit guten Stimmen und viel Tanzfreude nehmen die Darsteller ihr Publikum mit auf eine Reise nach Paris und zelebrieren ein Stück Broadway mitten am Kleinen Kiel vom Allerfeinsten. Ein wunderbarer Musicalgenuss, mit viel Tanz und unendlich schönen Melodien von George Gershwin.vmn

Weitere Vorstellungen im Opernhaus Kiel am 6. (Restkarten), 12., 15. und 17. Oktober, am 21. November sowie am 18. und 21. Dezember. Weitere Termine bis Juni 2020. Karten: Tel. 0431/901901 oder unter www.theater-kiel.de