Wer ist Albert Aereboe?

„Der Einsiedler“ gilt als das zentrale Werk von Albert Aereboe. Foto kst

Kieler Kunsthalle zeigt den „Zauber der Wirklichkeit“

Kiel. Wenn es um den Maler Albert Aereboe geht, stellen sich viele die Frage: „Muss man den kennen?“ da ist sich Dr. Regina Göckede, Kuratorin der Kunsthalle zu Kiel, sicher. Und sie kennt die Antwort: Ja, eigentlich müsste man den kennen. Denn Albert Aereboe ist 1889 in Lübeck geboren und dort 1970 auch gestorben, dazwischen hat er unter anderem in Berlin und rund 15 Jahre lang auf Sylt gelebt und gearbeitet – der Ort Kampen hat ihn zum Ehrenbürger gemacht. Unter anderem der Facettenreichtum seines Werkes ist erstaunlich. Die noch bis zum 5. September in der Kunsthalle zu Kiel laufende Ausstellung „Zauber der Wirklichkeit. Der Maler Albert Aereboe.“ zeigt den Wandel des Künstlers anhand von Werken, die vor allem, aber nicht nur, während seiner fruchtbarsten Phase von 1914 bis 1930 entstanden. Wenn man sich zum Beispiel ein frühes Selbstporträt von 1914, sein Bild von Pompon-Dahlien von 1924 und das abstrakte Bild „Masken“ von etwa 1960 kurz nacheinander anschaut, mag man kaum glauben, dass sie von ein und demselben Künstler stammen. In den rund sechs Jahrzehnten seines Schaffens hat Aereboe sich beständig verändert und entwickelt und dabei verschiedenste Einflüsse aufgenommen.

Ein besonders guter Selbst-Vermarkter war Albert Aereboe allerdings nicht. Während die meisten Künstler sich damals wie heute in Netzwerken engagieren, um sichtbar zu sein, hielt sich Aereboe immer zurück. Vor allem in seiner Zeit auf Sylt (1925-1939) lebte er in ländlicher Abgeschiedenheit. Als dort 1927 seine Frau, die Künstlerin Julie Aereboe-Katz, stirbt, verarbeitet er das in seinen Gemälden: Sie handeln in dieser Zeit von Verlust, Tod und Einsamkeit. In dieser Zeit entstand auch sein zentrales Werk „Der Einsiedler“, das bis heute rätselhaft geblieben ist. Das runde Bild mit einem Durchmesser von 1,70 Meter ist extrem detailversessen realistisch gemalt und für sich allein sicher schon einen Besuch der Ausstellung wert.

Ein Großteil des Werks von Albert Aereboe ging während des Zweiten Weltkriegs in Berlin verloren – auch das hat wohl dazu beigetragen, dass ein eigentlich beeindruckender Maler sogar national in Deutschland bisher nur wenig Eindruck hinterlassen hat. Die jetzt laufende Kieler Ausstellung lädt jedenfalls dazu ein, den noch weitgehend unbekannten Maler Albert Aereboe kennenzulernen und vielleicht für sich zu entdecken. kst

Kunsthalle zu Kiel, Düsternbrooker Weg 1 in Kiel. Infos zur Ausstellung und zu Öffnungszeiten auf der Webseite www.kunsthalle-kiel.de oder unter Tel. 0431/8805756. Zur Ausstellung gibt es einen Audio-Guide zum Download aufs Smartphone, ein Begleitheft für Kinder und einen aufwendig gestalteten Katalog. In der Reihe „Kunsthalle online“ spricht die Kuratorin Regina Göckede am Montag, 29. März, ab 19 Uhr über das Thema: „Blick über die Schulter: Albert Aereboe – Geheimnisse des Einsiedlers“. Den Link zur „Zoom“-Konferenz und eine Anleitung gibt es ebenfalls auf der Webseite der Kunsthalle.