Wackelfreiheit für die Göttin

Diplom-Metall-Restauratorin Corinna Krömer und Metallbaumeister und Schmied Karsten Witzel sorgen dafür, dass die Kilia-Statue aus der Dänsichen Straße bald wieder auf ihren Sockel zrück kann. Foto: kst

Die Kilia-Statue aus der Dänischen Straße wird in Felde fachgerecht repariert

Kiel /Felde. Wenn die Stadtgöttin Kilia gerade nicht dran ist, wartet sie, auf eine Europalette montiert und gut in Plastikfolie eingepackt, hinten in einer Ecke der großen Werkhalle der „Metallbäckerei“ in Felde. Weil in der Halle viel Stahl geschnitten, geschliffen, geschweißt und gebohrt wird, sind feine eisenhaltige Späne fast überall zu finden. Der Bronze der Kilia-Statue würden sie unter Umständen nicht gut tun, erklärt die Diplom-Metallrestauratorin Corinna Krömer. Darum gehen sie und der Schmied und Metallbaumeister Karsten Witzel von der Metallbäckerei auf Nummer sicher und verpacken die rund 130 Jahre alte Statue jedes Mal, wenn sie gerade nicht an ihr arbeiten.

Seit April dieses Jahres ist Kilia in Felde. Dass die Stadtgöttin ihren Sockel in der Kieler Dänischen Straße überhaupt so lange verlassen musste, war eigentlich gar nicht geplant. Ursprünglich sollten Corinna Krömer und Karsten Witzel die 1889 vom Kieler Bildhauer Eduard Lürssen fertiggestellte Statue nur reparieren: Das antike Ruder, das die Stadtgöttin als Symbol für eine kluge Staatslenkung mit der rechten Hand hielt, war gebrochen. „Doch als wir die Nuss ansetzten, um Kilia loszuschrauben, wackelte sie insgesamt hin und her“, erzählt Corinna Krömer. Dass die Figur inzwischen gefährlich locker auf ihrem Sockel stand, lag möglicherweise mit daran, dass Kilia seit ihrer Fertigstellung schon zu oft umziehen musste. „Normalerweise wird so eine Bronzestatue einmal gebaut und hingestellt, und dann steht sie da“, sagt die Expertin. Die knapp drei Meter hohe Kilia stand ursprünglich ganz oben auf einem insgesamt rund sechs Meter hohen Brunnen im Hof des Kieler Schlosses, den die Stadt Kiel Prinz Heinrich zur Hochzeit mit Prinzessin Irene von Hessen geschenkt hatte. Heinrich wohnte von 1880 bis 1918 im Kieler Schloss. Als er dann auf das Gut Hemmelmark umzog, nahm er Kilia mit und ließ sie dort wieder aufstellen. 1977 kehrte sie nach einer Restaurierung durch den Raisdorfer Bildhauer Fritz During nach Kiel zurück, wo die Stadt die Statue gegenüber dem Kieler Schloss in der Dänischen Straße aufstellen ließ. Irgendwann danach muss sie noch einmal neu auf ihrem Sockel befestigt worden sein, das vermutet Corinna Krömer anhand der Edelstahl-Schiene, die zuletzt die Statue auf ihrem Sockel hielt.

Das gebrochene Ruder soll jetzt wieder eingebaut und innen mit einer Edelstahl-Stange verstärkt werden. Für eine neue sichere Befestigung der Kilia auf dem Sockel entwickeln und bauen Karsten Witzel und Corinna Krömer mithilfe eines Statikers jetzt eine neue Edelstahl-Konstruktion. Das Ziel: Dieser „Adapter“ zwischen Statue und Sockel soll die Kilia für weitere Jahrzehnte sicher verankern, es aber ermöglichen, die Figur für mögliche künftige Wartungen problemlos abbauen und wieder aufbauen zu können. Wie das genau aussehen soll, ist noch nicht ganz klar. Fest steht aber, dass dafür keine neuen Löcher in die alte Statue gebohrt werden. „Denn das, was vorhanden ist, ist bei einer Restaurierung sozusagen heilig“, so Corinna Krömer. Umso größer war ihr Schreck, als sie beim Eintreffen der Statue in Felde feststellte, dass bei der fünfeckigen Burg, die Kilia als Krone trägt, der obere Teil eines der Burgtürme fehlte. Doch der Abgleich mit Fotos vom Abbau der Statue und die genauere Analyse des beschädigten Burgturms ergaben: Das Stück muss schon vor Jahrzehnten verloren gegangen sein.

Zwar ist die Bronze der Kilia im Laufe der Jahrzehnte zum Teil schon kräftig grün angelaufen, insgesamt ist die Figur aber in einem stabilen Zustand. Darum will Corinna Krömer die Statue nach der Reparatur zwar noch reinigen und neu konservieren, sie soll aber im Wesentlichen unverändert auf ihren Platz in der Dänischen Straße zurückkehren – nur eben dann wieder mit wackelfreiem Stand. Wenn alles klappt wie geplant, könnte das im kommenden Frühjahr so weit sein. kst