Prallbunt mit Beigeschmack

Roter Teppichboden, die Wände im Union-Jack-Design, Wimpel quer durch den Raum: Es ist nicht zu übersehen, dass Großbritannien eine Grundlage im Thema der Ausstellung ist. Foto: kst

Rachel Maclean zeigt ihre farb- und bildgewaltigen Arbeiten in der Kunsthalle zu Kiel

Kiel. Der Boden komplett mit rotem Teppich ausgelegt, weiß-blau-rote gekreuzte Wimpel quer durch den Raum, die hohen Wände vollständig im Union-Jack-Design gestaltet – schon der erste Blick macht deutlich, dass die Kunst von Rachel Maclean, die aktuell in der Kieler Kunsthalle zu sehen ist, irgendwas mit Großbritannien zu tun hat.

Rachel Maclean ist Schottin. Ihre mit digitaler Technik gemalten Bilder und Videoinstallationen sind bunt, prächtig und wuchtig und spätestens auf den zweiten Blick auch irritierend bis verstörend. Sie wimmeln von märchenhaften Fabelwesen, die alle Rachel Maclean sind: Die Künstlerin steigt in aufwendige Kostüme und Maskierungen, fotografiert sich, montiert die Aufnahmen und verfremdet und überarbeitet die Bilder elektronisch so lange, bis sie aussehen wie im Farbenrausch mit Acrylfarben gemalt. Sie thematisiert Geschlechterbilder und Konsumverhalten, die Veränderung des Verhaltens im virtuellen Raum und Nationalismus und hat dabei immer auch den Brexit im Blick oder zumindest im Augenwinkel. Die Ausstellung in der Kieler Kunsthalle ist Rachel Macleans erste museale Einzelausstellung in Deutschland.

Ihre Arbeit „Native Animals“ hat Rachel Maclean der Kieler Kunsthalle geschenkt. Das Werk ist umfangreich, es umfasst die ersten beiden Säle der Ausstellung. In den 23 digitalen Gemälden im Stile klassischer britischer Landschaftsmalerei taucht die Künstlerin unter anderem als Dachs, Kröterich oder Hase auf und erinnert damit an Kindergeschichten wie „Der Wind in den Weiden“ oder „Peter Rabbit“. Auch „Alice im Wunderland“ habe Einfluss auf ihre Arbeit gehabt, erklärte Rachel Maclean beim Pressetermin zur Ausstellung.

Aber irgendwas stimmt mit ihren Wesen nicht: Sind ihre Mäuse wirklich niedlich? Zumindest das Schweinewesen wirkt eigentlich echt fies. Rachel Macleans auf den ersten Blick verführerisch opulente Märchenwelt ist auf den zweiten Blick auch ein bisschen unheimlich. Der zweite Teil von „Native Animals“ ist eine Acht-Spur-Videoinstallation. Die Wesen in den Bilderrahmen bewegen sich und kommunizieren irgendwie miteinander. Und nebenan können die Besucher über Virtual-Reality-Headsets in Rachel Macleans ganz besondere Version von London eintauchen.

In der oberen Etage der Ausstellungsfläche setzt sich Rachel Maclean vor allem mit Geschlechterrollen auseinander, Wände und Teppich sind dort in Rosa und Blau gehalten. Aufwendig produzierte Filme, in denen Rachel Maclean ebenfalls alle Rollen besetzt, thematisieren die Sexualisierung von Kindheit über Social Media, das Phänomen „Niedlichkeit“, die perfekte Werbewelt oder die Rolle von Frauen im Film. Alles im Rachel-Maclean-Stil: übersteigert hübsch, schrill-bunt und mit einem bösen Beigeschmack. kst

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Mai in der Kunsthalle zu Kiel, Düsternbrooker Weg 1. Öffnungszeiten Di-So 10-18 Uhr, Mi, 10-20 Uhr. Eintritt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, Führungen (plus 2 Euro) jeweils Mi 18 Uhr sowie So 11.30 Uhr und 16 Uhr. Alle Termine unter www.kunsthalle-kiel.de