Per Rad zu den schönsten Ecken

Von der Kiellinie führt die Route über die Holtenauer Hochbrücke, am Kanal entlang und bis zur Levensauer Hochbrücke. Foto: Svenja Paetsch

Die Route in dieser Woche: eine 20-Kilometer-Rundtour am Wasser entlang

Kiel. Die Nähe zum Wasser, der Blick über die Ostsee, die blühende Landschaft: Kiel hat zahlreiche wunderschöne Ecken. Und sie alle können coronakonform mit dem Fahrrad erkundet werden – was liegt bei dem schönen Frühlingswetter auch näher? Doch bei der Route haben Radler die sprichwörtliche Qual der Wahl. Express-Mitarbeiterin Svenja Paetsch hat zwei besonders schöne Touren ausprobiert. Heute stellt sie die erste davon vor.

Diese etwa 20 Kilometer lange Rundtour ist ein Muss für alle Nordlichter – denn sie führt (fast) immer am Wasser lang: von „Kiels neuer Mitte“, dem neuen Treffpunkt in der Innenstadt mit Holstenfleet, über die Kiellinie, die Holtenauer Hochbrücke, am Nord-Ostsee-Kanal entlang bis zur Levensauer Hochbrücke und über die Eckernförder Straße wieder zurück.

Beim Start am Kieler Rathaus scheint die Sonne hell vom Himmel, das Thermometer zeigt angenehme 13 Grad, es ist windstill – ideale Bedingungen für eine gemütliche Fahrradtour. Vom Rathaus geht es Richtung Innenstadt und über den Düsternbrooker Weg bis zur Kiellinie, die um diese Uhrzeit, nach Feierabend, recht gut mit Spaziergängern und Joggern gefüllt ist. Ein bisschen Slalom-Fahren ist da schon nötig, doch dafür ist die Wegbeschaffenheit einwandfrei, und Steigungen gibt es keine. Stattdessen führt der Weg gute zwei Kilometer lang ebenerdig am Wasser entlang bis zum Tirpitz-Hafen, bald „Marinestützpunkt Kiel-Wik“. Ein paar Hundert Meter weiter, wenn es von der Kiellinie rechts in die Feldstraße und schließlich auf die Prinz-Heinrich-Straße geht, ist es vorbei mit der Ebenerdigkeit. Die Auffahrt zur Holtenauer Hochbrücke ist schweißtreibend, doch sie lohnt sich: Auf 45 Metern Höhe bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf den Nord-Ostsee-Kanal und die Schleuse Kiel-Holtenau. Wer die Auffahrt nicht auf sich nehmen möchte, der kann auch vor der Technischen Akademie Nord rechts in die Schleusenstraße abbiegen und mit der Personenfähre übersetzen.

Auf dem Weg bergab ist Vorsicht geboten: Der kleine Weg, der unter der Bundesstraße durch nach links auf die Oskar-Kusch-Straße führt, ist bei hohen Geschwindigkeiten schnell zu übersehen. Nach einer weiteren scharfen Linkskurve führt die Oskar-Kusch-Straße – leider ohne Radweg – in einer angenehmen Talfahrt direkt zum Nord-Ostsee-Kanal.

Anschließend geht es rechts herum für etwa drei Kilometer direkt am Kanal entlang. Linker Hand glitzert das Wasser, Segelboote und Containerschiffe ziehen langsam vorbei. Zahlreiche Angler säumen das Wasser – wer Pech hat, wird von unaufmerksamen, schwungvoll ausholenden Anglern um Haaresbreite „geangelt“. Für den stellenweise holprigen Plattenweg entschädigen die Aussicht, die Ruhe und die Natur. Und wer hier, nach gut der Hälfte der Tour, eine Pause einlegen möchte, findet zahlreiche Bänke und sonnige Plätze auf der Wiese.

Frisch gestärkt geht es weiter. Auf der rechten Seite bietet das Herrenhaus Gut Projensdorf einen hübschen Anblick, und nach einigen weiteren Hundert Metern tauchen hinter einer Kurve schon die Levensauer Hochbrücken auf. Etwa 500 Meter hinter der Alten Levensauer Hochbrücke verlässt der Weg den Kanal und kreuzt rechts eine schmale Landstraße, die in einem weiten Bogen auf die Eckernförder Straße führt. Es folgt die zweite Auffahrt der Tour: auf die ebenfalls circa 45 Meter hohe Alte Levensauer Hochbrücke, die einen fast ebenso spektakulären Ausblick bietet wie die Holtenauer Hochbrücke. Achtung: Auf diesem Teil der Eckernförder Straße gibt es keinen Radweg. Unten angekommen geht es weiter die Eckernförder Straße entlang, die auf fünf Kilometern – auf unebenen Radwegen – auf direktem Weg zum Wilhelmplatz führt. Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg bis zum Rathaus, wo die Rundtour nach gut 20 Kilometern endet.

Bis auf die Holtenauer und Levensauer Hochbrücke ist die Strecke größtenteils eben und verläuft ohne große Steigungen, sodass sie auch für Familien mit Kindern gut befahrbar ist. Und mit viel Grün, der Ostsee, einigen Pferden und mit etwas Glück sogar einem Fasan bietet diese Rundtour Natur pur. svp