Per Avatar im Klassenzimmer

Stellvertretend für das kranke Kind ist der kleine weiße Roboter im Unterricht dabei. Foto: SH Krebsgesellschaft

Telepräsenzroboter helfen kranken Kindern gegen Vereinsamung

KIEL. Er ist Augen, Ohren und Stimme für Kinder, die wegen einer Krebserkrankung viel Zeit allein in einem Krankenzimmer verbringen müssen, anstatt zum Beispiel mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern im Klassenraum am Unterricht teilzunehmen: Der Telepräsenzroboter AV1 der norwegischen Firma „No Isolation“. Über eine App verbindet sich das erkrankte Kind von Zuhause oder aus dem Krankenhaus mit dem gut 30 Zentimeter hohen künstlichen Stellvertreter (Avatar), der im Klassenraum zum Beispiel auf dem Tisch steht. Über eine eingebaute Kamera, ein Mikrofon und einen Lautsprecher kann das Kind seine Freunde und Klassenkameraden sehen, hören und mit ihnen sprechen. Gesteuert mit einfachen Handbewegungen auf dem Smartphone oder Tablet kann der AV1 seinen Kopf um 360 Grad drehen und ihn auch nach oben und unten neigen. Außerdem kann er signalisieren, wenn das kranke Kind etwas sagen möchte oder im Moment zu müde ist, um aufmerksam dem Geschehen zu folgen. Fünf solcher Avatare hat die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft inzwischen mit Spendenmitteln anschaffen können, um sie im Rahmen ihres Projekts „Mittendrin“ kostenlos an krebskranke Kinder zu verleihen. Aktuell sorgen sie in Norderstedt, Itzehoe, Lübeck, Flintbek und auf Sylt dafür, dass dort jeweils ein krankes Kind weniger einsam ist und im Anschluss an die krankheitsbedingte Isolation leichter wieder ins normale Leben zurückkehren kann. Erst seit September dieses Jahres darf der kleine weiße Roboter auch mit dem Segen von Bildungsministerium und Landesdatenschutzbehörde in allen Klassenstufen eingesetzt werden.

Die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft möchte jetzt noch drei weitere der kleinen weißen Roboter anschaffen. Einer kostet rund 3000 Euro plus monatlich etwa 65 Euro für SIM-Karte und Datenvolumen, technischen Support, Versicherung und, falls nötig, Reparaturen. Um das Geld aufzutreiben, bekommt die Krebsgesellschaft jetzt Unterstützung von der Aktion „Dietrichsdorf sammelt“, zu der Uwe Göllner von der „Country & Line Dance Gruppe Kiel“ und Marita Kähler, Leiterin der Dietrichsdorfer Selbsthilfegruppe für Menschen mit einer Krebserkrankung aufgerufen haben. Unterstützt werden die beiden erneut von Rüdiger Lohmann, 1. Vorsitzender des NDTSV Holsatia und Bernd Seeger, 1. Vorsitzender des Sozialverbands Deutschland, Ortsverband Kiel-Schwentine. „Es ist mir ein Herzensanliegen, krebskranken Kindern zurück in den Alltag zu helfen. Sie brauchen unsere Hilfe, ganz besonders jetzt, wo sie durch die Corona-Krise noch stärker von Isolation betroffen sind“, betont Göllner. Mit Plakaten, Flyern und persönlichen Anschreiben soll die Aktion die Menschen im Stadtteil sowie die Unternehmen auf die Aktion aufmerksam machen und zu Spenden aufrufen. In einer Reihe von Geschäften sind Spendendosen aufgestellt, wer möchte, kann unter dem Stichwort „Dietrichsdorf sammelt“ auch direkt auf das Spendenkonto mit der IBAN DE07 2105 0170 0094 1849 00 bei der Förde Sparkasse einzahlen. kst

Infos zum Projekt „Mittendrin“ unter www.krebsgesellschaft-sh.de