Mit wenig Essen viel erreichen

Bei vielen Fastenkuren wird auf feste Nahrung komplett verzichtet. Stattdessen gibt es nur Gemüsesaft, Tee und Wasser mit Zitrone. Das bewirkt nicht nur, dass die Pfunde purzeln, sondern soll auch gesundheitlich einen Mehrwert haben. Foto: saa

Die Wirkung von Fastenkuren interessiert Naturheilkundler und Schulmediziner

Kiel. Schnell Abnehmen, Giftstoffe ausleiten – „Detoxen“ – und die Selbstheilung aktivieren: All das soll mit Fasten möglich sein. Gerade jetzt im Frühjahr, der Zeit der guten Vorsätze, denken viele über eine Fastenkur nach – doch was bringt Fasten wirklich und was ist dabei zu beachten?

Fasten bedeutet für viele hungern. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied: Fastende entscheiden sich freiwillig für den Nahrungsverzicht auf Zeit. Mehrere Tage lang weniger als 500 Kilokalorien zu sich nehmen, was soll das bringen? Außer Gewichtsverlust soll es auch zu positiven Effekten für die Gesundheit kommen, das zeigen die wissenschaftlichen Studien von Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel-Krankenhaus Berlin. „Es gibt keinen Zweifel, dass Fasten für den Körper etwas sehr Gutes ist“, so Michalsen. Seine Forschungen haben ergeben, dass Patienten mit rheumatischen Erkrankungen, Reizdarm, Übergewicht und chronischem Schmerzsyndrom vom Fasten profitieren. Das Fasten steigere nicht nur das Wohlbefinden, sondern lindere auch Schmerzen und gebe „ein Gefühl von Leistungsfähigkeit“ – auch bei gesunden Menschen. Wenn der Körper keine Verdauungsarbeit mehr leisten müsse, habe er mehr Energie für Heilungs- und Regenerationsprozesse, so Michalsen.

Mit den positiven Effekten des Fastens ist auch Prof. Dr. med. Matthias Laudes, Ernährungsmediziner am UKSH in Kiel, vertraut. In der Klinik setzt er Fasten als Therapie bei Adipositas und bei Fettstoffwechselstörungen ein. „Beim Fasten beginnt der Körper, eingelagertes Fett zu mobilisieren, dadurch nimmt man ab“, so Laudes. Eine Ausleitung von „Giftstoffen“ konnte er aber nicht feststellen. Vielmehr gibt er zu bedenken: „Der Körper braucht täglich mindestens 30 bis 40 Gramm Eiweiß, um alle Stoffwechselprozesse aufrecht zu erhalten.“ Fehlt die Nahrung, werde nach einiger Zeit Muskel- und Knochenmassen abgebaut. „Wer fasten will, sollte daher niemals gar nichts essen“, so der Ernährungsmediziner. Wichtig sei auch die Betreuung durch den Hausarzt. „Es kann beim Fasten zu Gichtanfällen und Gallenkoliken kommen. Zudem ist oft unklar, wie Medikamente bei Fastenden wirken“, warnt Laudes.

Da Fasten über mehrere Tage viele abschreckt, sehen einige eine Alternative im Intervallfasten. Doch das Fasten über Nacht sieht Laudes kritisch: „Wer sich tagsüber ungesund ernährt, kann sich über Nacht nicht gesund fasten. Es braucht da schon eine langfristige Lebensstiländerung.“

Nach einer Fastenwoche fällt es Menschen leichter, ihre Essensgewohnheiten zu ändern, weiß Erich Conradi vom Nutriologischen Zentrum Nord. Er berät Menschen zu naturheilkundlichen Themen und bietet selbst Fastenkuren an. „Vor über 30 Jahren habe ich das erste Mal gefastet und sofort gemerkt, dass Fasten für Ordnung in meinem Körper sorgt“, so Conradi. Wesentlicher Bestandteil sei für ihn auch die Darmreinigung, die er mit einem Kursalz, dem Karlsbader Salz, herbeiführt. Beim Fasten sortiere sich die Bakterienflora im Darm neu, und das wirke sich auch aufs Immunsystem aus. Fasten bewege aber nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Nach dem zweiten oder dritten Tag stelle sich oft ein „Fastenhoch“ ein: fröhliche Stimmung und der Drang, sich zu bewegen. Selbst nach dem Fasten bleibe eine andere Sicht auf die Dinge, so Conradi. Fastenanfängern empfiehlt er begleitete Fastenkuren mit einem fastenerfahrenen Kursleiter oder Hausarzt als Ansprechpartner.saa