Mehr Lebensgefühl, mehr Grün

Zum Entwurf für die Kieler Holstenstraße aus dem Siegerbeitrag gehört auch ein großes Wasserspiel auf dem Holstenplatz, das im Sommer vor allem für Familien mit Kindern ein beliebter Treffpunkt werden könnte. Zeichnung: Lohaus Carl Köhlmos

Sieger des Planungswettbewerbs für die Kieler Holstenstraße vorgestellt

Kiel. Es ist ein behutsamer Entwurf, der jetzt den Planungswettbewerb der Stadt Kiel für das langjährige „Sorgenkind“ Holstenstraße und die angrenzenden Plätze gewonnen hat: Die Landschaftsarchitekten und Stadtplaner aus Hannover, Lohaus Carl Köhlmos PartGmbB, krempeln nicht radikal um, sondern setzen darauf, das, was schon gut ist, zu erhalten und auszubauen und es um weitere Elemente zu ergänzen – unter anderem um ein großes bodengleiches Wasserspiel auf dem Holstenplatz. Sein Grundriss soll die Form der Ostsee haben und an den Positionen der aus Kieler Sicht wichtigsten Hafenstädte Fontänen, an denen im Sommer vor allem Kinder ihren Spaß haben dürften.

Im Festsaal des Kieler Schlosses stellten Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Baudezernentin Doris Grondke und der Vorsitzende des Forums Innenstadt den Siegerentwurf vor. Bis alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, könnte ein erster Bauabschnitt für die Umgestaltung der Holstenstraße frühestens ab 2023 beginnen.

„Der Entwurf macht sich nicht wichtig, sondern lässt Platz für das, was da passieren kann“, sagte Ulf Kämpfer. Auch Doris Grondke lobte die Tatsache, dass der Entwurf Raum und Möglichkeiten für ein weites Spektrum an zusätzlichen Nutzungen lässt.

Auf dem Holstenplatz sollen die Bäume, die schon jetzt das dortige Flair ausmachen, um weitere Bäume ergänzt werden, auch der benachbarte Busbahnhof soll noch deutlich grüner werden und künftig nur noch von ÖPNV, Lieferverkehr und Fahrrädern befahren werden. „Wir wollen den ÖPNV in dem Bereich ein wenig zurückdrängen“, sagte Peter Carl vom siegreichen Planungsbüro, und meinte das vor allem optisch. Denn die Andreas-Gayk-Straße mit dem Busbahnhof am Holstenplatz soll deutlich mehr als jetzt zwischen Bäumen und unter begrünten Wartedächern verschwinden.

Für die gesamte Fläche der Holstenstraße sieht der Entwurf neue Beleuchtung und neue Stadtmöbel vor, die an vielen Stellen zum Hinsetzen, Stehenbleiben und vielleicht sogar zum kurzen Arbeiten mit dem Laptop einladen. Von Holstenplatz bis Holstenfleet soll heller Klinkerstein der neue Bodenbelag werden, in der oberen Holstenstraße, im Bereich der Kieler Altstadt, sehen die Planer in der Mitte der Straße Pflastersteine vor, an den Seiten vor den Geschäften jeweils einen 1,80 Meter breiten Streifen mit glatten Steinen. Bäume soll es in der oberen Holstentraße nicht geben – aus gutem Grund, wie Wolfgang Erichsen erklärte: „Da sind die Häuser zu hoch und die Straße zu schmal – Bäume funktionieren da einfach nicht.“

Am Heinrich-Ehmsen-Platz ist eine Mobilitätsstation vorgesehen, jeder Platz soll sein Wasserspiel bekommen. Dabei wollen die Planer nicht alles neu erfinden. Die Wellen am Heinrich-Ehmsen-Platz und das seit vielen Jahren trocken liegende Wasserspiel auf dem Asmus-Bremer-Platz sollen renoviert und reaktiviert werden.

Aber erst ist umfangreiche Vorbereitung nötig. Unter anderem muss die Stadt mit dem Gewinner-Planungsbüro aushandeln, ob und unter welchen Bedingungen es die weitere Planung des Bauvorhabens übernimmt. Insgesamt dauert es nach Einschätzung der Stadt noch mindestens zwei Jahre, bis die Arbeiten tatsächlich beginnen. Eine Bürgerbeteiligung ist auch vorgesehen, unter anderem mit Führungen durch die Holstenstraße, bei der Stadtvertreter die geplanten Veränderungen erklären. Die erste ist für Dienstag, 8. Juni, geplant, weitere zunächst für Donnerstag, 10. Juni und Donnerstag, 17. Juni, Treffpunkt ist jeweils um 17 Uhr auf dem Holstenplatz, pro Führung ist Platz für zehn Teilnehmende. Bei Bedarf sollen noch mehr Führungen folgen. Eine Anmeldung per E-Mail an holstenstrasse@kiel.de ist notwendig, es gelten die jeweils aktuellen Corona-Regeln. Auf der Webseite www.kiel.de/holstenstrasse informiert die Stadt Kiel laufend über die weitere Entwicklung. kst