Livekonzerte im Safe-Modus

Die professionelle Bild- und vor allem Soundtechnik sorgt dafür, dass die Konzerte im „Medusa“ in bester Qualität ins Internet geschickt werden. Foto: Jan Köster

Kiel. Das Bühnenlicht steht, die Kameras laufen, der Soundcheck ist abgeschlossen. Der Berliner Musiker Claudius Mach hat die große Digitaluhr im Blick: noch zehn Minuten bis zum Livestream-Konzert auf der Bühne im Kieler Medusa. Die Atmosphäre im kleinen Veranstaltungsraum ist freudig-positiv aufgeladen. „Er macht ja sonst im Moment auch mal Livestream-Konzerte vom Wohnzimmer zu Hause aus. Aber allein schon mal wieder woanders hinzufahren, um ein Konzert zu spielen, ist schon schön“, sagt Nina, Claudius’ Frau, die bei einigen Songs zusammen mit ihrem Mann auf der Bühne steht. Den zweiten Teil dieses Abends wird Rainer Lebemann bestreiten, der zu bluesig-jazziger Stahlsaitengitarre seine zum Teil leicht absurden Songs performed – „Der Hot-Dog-Gott macht Skulpturen aus Wurst“ und so.

Inhaber des Medusa im Hinterhof der Medusastraße 16 in Kiel-Gaarden ist Jonas Lindner, und die Livestream-Konzertreihe ist seine Antwort auf den Corona-Stillstand. Wie auch andere Veranstaltungsorte zum Beispiel in Hamburg und Neumünster hat er über die Fördereinrichtung „Initiative Musik“ von Bundesregierung und Musikbranche Gelder bewilligt bekommen, um in Zeiten ohne Einnahmen Musikschaffenden trotzdem Engagements, sogar mit kleiner Gage, anbieten zu können. Insgesamt 50 Streaming-Konzerte hat Jonas Lindner insgesamt für diese Reihe vorgesehen, den Start machten Ende November 2020 Brendan Lewes und Frederik Kleinschmidt. Doch direkt nach den Bands „Magic Hum“ und „Degreaver“ am 5. Dezember war wegen der Lockdown-Verschärfung erstmal gleich wieder Schluss. Jetzt ist die Reihe mit neuem Konzept erneut gestartet: „Wir machen weiter, aber abgespeckt, mit höchstens zwei Leuten on Stage“, sagt Jonas Lindner. Die Künstler treten jeweils etwa 30 bis 45 Minuten lang auf, danach folgt ein kurzes Interview mit Moderator Andreas Zylka, bei dem sich die Musiker dem Publikum weiter vorstellen können. Neben den Künstlern engagiert Jonas Lindner für die Streaming-Konzerte auch professionelle Techniker, damit Bilder und Sound in bester Qualität im Netz auf dem Youtube-Kanal des Medusa Kiel landen. Dort sind die Streams jeweils am Sonnabend ab 20 Uhr live zu sehen, anschließend bleiben sie auf dem Kanal verfügbar.

Das ganze Konzept ist eng mit dem Kieler Ordnungsamt abgestimmt. Die Zahl der Personen ist auf das absolute Minimum beschränkt, außer auf der Bühne und – mit Abstand und Belüftung – beim Interview gilt strenge Maskenpflicht. Während sonst im Medusa eher Musik der härteren Gangart angesagt ist und vor der Bühne meist um die 30 bis 50 Fans abfeiern, ist der Raum jetzt bis auf den Techniker leer, und die Solisten und Duos stehen überwiegend mit ruhigerer Musik vor Kamera und Mikro.

Inhaber Jonas und Moderator Andreas haben finanziell selbst nichts von der Förderung über die „Initiative Musik“: Andreas hat noch einen „richtigen“ Job und macht das hier einfach so, Jonas hält sich und das Medusa mit Überbrückungsgeld über Wasser. Andreas Zylka spricht für beide, wenn er sagt: „Wir sind beide Freunde der Kultur, und dieses Livestream-Projekt ist einfach toll. Wir können weiter was mit Musik machen, und die Musiker bleiben am Ball.“ Noch sind übrigens ein paar Termine mit Musikern zu besetzen. Solisten oder Duos, die sich musikalisch am Medusa-Livestreamprojekt beteiligen wollen, können sich per E-Mail an medusa@gaarden.net bewerben. kst

Das nächste Livestreamkonzert startet am heutigen Sonnabend, 17. April, ab 20 Uhr auf Youtube. Der Kanal ist über den Suchbegriff „medusa Kiel“ zu finden. Heute stehen noch einmal Daniel Hoppenstedt und Dave Fonso auf dem Programm. Das Konzert war für den 3. April geplant, musste wegen einer Störung des Internetzugangs aber abgebrochen werden. www.medusa-kiel.de