Länger träumen im Duett

Was genau im Körper eines Menschen passiert, wenn er neben seinem Partner schläft, war nun der Fokus der Kieler Studie. Foto: Pexels/Andrea Piacquadio

Kieler Forscher untersuchten die Schlafqualität von Einzelschläfern und Paaren

Kiel. Viele Faktoren beeinflussen den Schlaf. Auch, ob jemand neben einem schläft und wenn ja, wer. Wie genau sich die Schlafqualität bei Paaren verändert, wenn der Partner im selben Bett schläft, haben Kieler Schlafmediziner erforscht.

In ihrer Studie haben die Forscher vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein insgesamt zwölf Paare im Alter zwischen 18 und 29 Jahren untersucht. Insgesamt vier Nächte schliefen sie im Schlaflabor, zweimal alleine und zweimal nebeneinander. „Uns ging es darum, die sozialen Aspekte des Schlafes zu erforschen“, so Prof. Dr. Robert Göder, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter des Schlaflabors. Die Idee zur Studie hatte sein Kollege Dr. Henning Johannes Drews, der gleichzeitig Arzt und Ethnologe ist und inzwischen in Norwegen arbeitet.

Schon zu Urzeiten haben sich Menschen in Gruppen schlafen gelegt, vermutlich, um sich sicherer zu fühlen oder auch, um sich gegenseitig zu wärmen. Was genau im Körper eines Menschen passiert, wenn er neben seinem Partner schläft, war nun der Fokus der Kieler Studie. Neben Befragungen zur Beziehungstiefe und subjektiven Einschätzung zum Wohlbefinden wurden in der Studie auch verschiedene Körperwerte und Parameter wie Gehirnströme und Muskelspannung gemessen.

Bei gesunden Menschen verläuft der Schlaf normalerweise in vier Phasen: Leicht-, Normal-, Tief- und Traumschlaf. Letzterer wird wegen der dann auftretenden schnellen Augenbewegungen auch REM-Phase genannt, was für „Rapid Eye Movement“ steht. In jeder Nacht durchläuft ein schlafender Mensch diesen Schlafzyklus vier- bis fünfmal. Ein Zyklus dauert ungefähr 1,5 Stunden. Die Kieler Forscher fanden heraus, dass sich die REM-Phase bei den Paaren, die zusammen in einem Bett schlafen, um zehn Prozent verlängert. „Das sind pro Nacht etwa zehn Minuten mehr REM-Schlaf“, so Göder. „Wir gehen davon aus, dass die REM-Phase wichtig ist für die Gefühlsverarbeitung.“ Mehr REM-Schlaf wird also als qualitativ besserer Schlaf gewertet. Zugleich war der Paarschlaf in der REM-Phase weniger unterbrochen als der Einzelschlaf. Das alles führt vermutlich zu einer stabileren mentalen und körperlichen Gesundheit.

Ein weiteres Ergebnis der Paarschlafstudie ist, dass sich bei den Paaren der Schlaf synchronisiert. Die Probanden waren nahezu zeitgleich in den gleichen Schlafphasen. „Hierbei fiel uns auf, dass die Tiefe der Beziehung und die Schlafsynchronisation zusammenhängen“, so der Schlafmediziner. Paare, die bei den Befragungen eine besonders starke Verbindung zeigten und angaben, wenig Konflikte zu haben, schliefen koordinierter.

Das ist der wissenschaftliche Beweis dafür, was viele Paare schon wussten: Zusammen schläft es sich besser. saa