Kleine Karte ganz groß

Sparen mit Spaß: Bei Claudia Ehm gibt es im Erdgeschoss des Neuen Rathauses den Kiel-Pass. Foto: Marie-Kristin Kielhorn

Der Kiel-Pass feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag

Kiel. Abends in die Oper, mit Freunden ins Kino oder am Wochenende mit der gesamten Familie in den Tierpark – für viele Kieler purer Luxus. Freizeitaktivitäten wie diese sind oft teuer und für viele Alleinstehende, Paare oder Familien jedes Alters finanziell nicht zu wuppen. Um Menschen mit geringem Einkommen den Zugang zum kulturellen Leben zu ermöglichen, wurde 2010 der Kiel-Pass ins Leben gerufen, der Vergünstigungen bei aktuell knapp 60 Kieler Kultureinrichtungen bietet.

26.000 Kiel-Pässe wurden in zehn Jahren ausgestellt. „Wir haben einen großen Zulauf, und durch neue Bonuspartner ist die Tendenz weiter steigend“, erzählt Claudia Ehm vom Nettekieler-Ehrenamtsbüro, die sich immer auf neue Gesichter in ihrem Büro im Neuen Rathaus in Kiel freut. Kieler können den Kiel-Pass erhalten, wenn sie folgende Leistungen beziehen: Arbeitslosengeld II (nach SGB II), Sozialgeld (nach SGB II), Hilfe zum Lebensunterhalt (nach SGB XII), Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (nach SGB XII), Wohngeld, Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz, Barbetrag zur persönlichen Verfügung bei einem Aufenthalt in einer stationären Einrichtung (nach § 35 Absatz 2 SGB XII) oder Kinderzuschlag (nach § 6a Bundeskindergeldgesetz).

„Für viele sind Aktivitäten, die für andere selbstverständlich sind, einfach nicht möglich. Zum Beispiel die Teilnahme an einem Schwimmkursus. Dabei ist es so wichtig, dass Kinder schwimmen können, gerade hier bei uns an der Küste“, weiß Claudia Ehm, die seit vier Jahren das Kiel-Pass-Büro leitet und in dieser Zeit schon viele herzergreifende Geschichten gehört und erlebt hat. „Einmal kam eine Frau zu mir, Mitte 20, mit einem kleinen Kind. Sie steckte mitten in der Scheidung und war einfach am Ende ihrer Kräfte und ihrer finanziellen Möglichkeiten. Als ich ihr vom Kiel-Pass erzählt und ihr alles genau erklärt habe, fing sie an zu weinen. So überwältigt war sie von diesem Angebot.“ Doch leider seien einige Lücken noch nicht gedeckt. „Wir sind immer auf der Suche nach Kleinunternehmern. Bäcker oder Bekleidungsgeschäfte fehlen uns zum Beispiel noch auf der Liste. Und gerade die sind so wichtig, weil sie jeder Mensch braucht“, erklärt Claudia Ehm, die immer auf der Suche nach neuen Bonuspartnern ist und jedem ans Herz legt, vielleicht ein Teil des Kiel-Pass-Projektes zu werden oder bei der Umsetzung zu helfen.

Ob Theater, Museum, Kino, Friseur, Nachhilfe oder Musikschule – praktische Dinge sollen es sein, die für jede Altersstufe etwas bieten. „Unsere Gassenhauer sind Schwimmhallen, Büchereien, Museen und natürlich der Kulturhafen Kiel“, erklärt Claudia Ehm, „der Kulturhafen vermittelt gespendete Eintrittskarten kostenfrei an Kiel-Pass-Inhaber.“ Für eine Mitgliedschaft in Kulturhafen Kiel muss vorab ein Anmeldeformular ausgefüllt werden, das es im Kiel-Pass-Büro und im Sozialladen Obolus gibt. Auf der Rückseite können kulturelle Vorlieben wie zum Beispiel Theater, Varieté, Klassik, Ballett oder Sport angekreuzt werden, damit beim späteren Auswahlverfahren auch die richtigen Adressaten für die jeweiligen Karten gefunden werden können. „Zu verschiedenen Veranstaltungen werden dann Kulturhafen-Mitglieder angerufen und ihnen jeweils zwei Karten angeboten. Die Karten stammen aus einem separaten Kontingent und sind keineswegs Restposten-Karten, die nicht verkauft wurden“, erklärt Ehm weiter. Und der Kulturhafen kommt sehr gut an. Ein schöner Abend mit der Freundin im Theater oder ein Geburtstagsgeschenk für den Enkel – vor allem viele ältere Menschen können sich diesen Luxus gar nicht mehr oder nur selten leisten. „Oft sträuben sie sich, diese kleine Unterstützung anzunehmen, weil sie keine Almosen wollen“, sagt Claudia Ehm, „aber dann sage ich ,Sie haben doch auch Rabattkarten von ihrem Supermark’, und dann müssen wir beide schmunzeln, und das Eis ist gebrochen.“kie

Kiel-Pass-Büro, Neues Rathaus, Andreas-Gayk-Straße 31, Eingang Ecke Fabrikstraße, Kiel. Tel. 0431/9015511 kielpass@kiel.de, www.kiel.de/kielpass. Öffnungszeiten: Montag 9 bis 14 Uhr, Dienstag 12.30 bis 15 Uhr und Donnerstag 9.30 bis 15.30 Uhr.