Kleine Häuser für große Wirkung

Aus je zwei normalen Frachtcontainern bestehen die beiden Tiny Houses, die zwischen den Häusern des Edo-Osterloh-Studentenwohnheims stehen. Foto: Jan Köster

KIEL. Viele Menschen haben Geld dafür gegeben, viele Firmen haben Waren und Fachdienstleistungen gespendet: Nach etwas mehr als einem Jahr Planung und Arbeit konnten die Kieler „stadt.mission.mensch” und das Studentenwerk SH auf dem Gelände der Edo-Osterloh-Studentenwohnhäuser am Steenbeker Weg in Kiel zwei „Tiny Houses“ eröffnen. Die Minihäuser dienen jetzt zwei Frauen als Wohnraum auf Zeit, die schon lange vergeblich auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung waren: einer Studentin und einer wohnungslosen Klientin der „stadt.mission.mensch“. Dabei sollen die Tiny Houses den beiden Frauen nicht nur endlich die Möglichkeit bieten, in Ruhe nach einer noch dauerhafteren Bleibe suchen zu können. Mit der ganzen Aktion wollen Stadtmission und Studentenwerk auch auf den herrschenden Mangel an Wohnraum aufmerksam machen, der auch mit einem kleinen Einkommen noch bezahlbar ist. Die beiden Tiny Houses bestehen aus je zwei aneinandergefügten Standard-Containern, die von der Wärmedämmung bis zur Einrichtung mit den wichtigsten Möbeln komplett ausgebaut und ausgestattet wurden. Jede der beiden Bewohnerinnen hat in ihrem Haus ein kleines Schlafzimmer, ein Bad und ein kleines Wohnzimmer mit Küchenecke. Allein in Kiel gibt es laut Karin Hellmer, Geschäftsführerin der „stadt.mission.mensch“, 1200 Menschen, die keine eigene Wohnung haben und darum höchstens immer mal auf  Zeit bei Freunden und Verwandten unterkommen können. Dass gemessen daran zwei neue Wohnplätze manchem wenig erscheinen mögen, ist Karin Hellmer klar, doch sie betont: „Für jeden Menschen, der eine Wohnung hat, hat das eine riesige Bedeutung. Mit diesem Piloten wollen wir aber auch gesellschaftlich Aufmerksamkeit schaffen und möglichst weitere Vermieter finden, die Wohnungen zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stellen.“ Die Edo-Osterloh-Häuser sind mit rund 500 Wohnplätzen der größte Standort des Studentenwerks SH in Kiel, doch auch für Studierende ist der Wohnraum knapp: „Wir haben aktuell 1000 Personen auf der Warteliste“, sagt Maike Briege, Abteilungsleiterin Facility Management und Bauen beim Studentenwerk. „Auch dafür sollen die Tiny Houses ein Signal sein.“ Unterstützerin des Projekts ist auch die Stadt Kiel, die die Baugenehmigung erteilte. Allerdings zeigte sich dabei auch, dass geltendes Baurecht viele Hürden enthält: Wohnraum zu schaffen, indem auf kleineren Leerflächen überall in der Stadt Tiny Houses entstehen, ist nicht drin. Selbst das Studentenwerk SH, das die beiden Minihäuser  von Sträuchern abgeschirmt an einer Hauptverkehrsstraße auf eigenem Grund und umgeben von eigenen Wohnheim-Gebäuden aufstellte, konnte dafür nur eine befristete Baugenehmigung bekommen: In fünf Jahren müssen die beiden Container-Häuschen wieder verschwinden. kst