„Jeder Mensch ist ein Künstler“

Kuratorin Dr. Annette Weisner stellte die Ausstellung vor. Von im Bild: „Rhein Water Polluted“, hinten: „Rose für direkte Demokratie“, beides so genannte „Multiples“ die Beuys in größerer Auflage für wenig Geld verbreitete. Foto: Jan Köster

Die Kunsthalle zu Kiel zeigt Grafiken und „Multiples“ von Joseph Beuys

Kiel. Fett und Filz, Anglerweste und Hut und irgendwie ständig in merkwürdig anmutender Aktion: Joseph Beuys war einer der bedeutendsten und umstrittensten Künstler des 20. Jahrhunderts. Am 8. Mai wäre er 100 Jahre alt geworden. Die Kunsthalle zu Kiel zeigt aus diesem Anlass jetzt die Ausstellung „Kunst für alle“ mit Grafiken und so genannten „Multiples“ von Beuys aus dem Bestand der Kunsthalle.

Joseph Beuys wollte die Kunst demokratisieren. „Jeder Mensch ist ein Künstler“, war eine seiner zentralen Aussagen. Er war überzeugt davon, dass jeder Mensch mit seiner Kreativität die Gesellschaft gestalten kann. Konsequenterweise hielt er 1961 als Professor der Düsseldorfer Kunstakademie nichts vom geltenden Auswahlverfahren, das nur wenige Studierende zuließ. Er besetzte mit abgewiesenen Studienbewerbern das Sekretariat, bis die Polizei die Aktion beendete. Das Pressefoto, das zeigt, wie Beuys kopfschüttelnd durch ein Spalier von Polizisten das Sekretariat verlässt, hat er anschließend handschriftlich mit der Bemerkung „Demokratie ist lustig“ versehen und es als Teil einer Postkartensammlung vervielfältigen lassen. Diese Sammlung von Beuys-Postkarten war für wenig Geld zu haben. Ein Exemplar der Sammlung ist eines der „Multiples“, die jetzt in der Kunsthalle zu sehen sind. Die Idee hinter den Multiples war, Kunst für alle verfügbar zu machen.

Mit seinen Aktionen war Joseph Beuys international in den Medien, Ende der 1970er-Jahre war er der teuerste Künstler weltweit. Trotzdem brachte er insgesamt mehr als 550 Serien von Kunstwerken heraus, die vor allem eines sollten: seine Ideen auch fernab vom damals etablierten Kunstbetrieb unter „ganz normalen“ Menschen verbreiten.

Zum Beispiel sein erstes Multiple „Intuition“, von dem ebenfalls ein Exemplar in der Ausstellung zu sehen ist: Eine etwa DIN-A4-große offene, sehr einfache Holzkiste, in die Beuys mit Bleistift das Wort „Intuition“ geschrieben und darunter zwei waagerechte Linien gezogen hat. 12.000 solcher Kisten hat Beuys 1968 so beschriftet. Wer wollte, konnte sie damals für 8 Mark (etwa 4 Euro) per Post nach Hause bekommen.

Joseph Beuys hat in den größten Museen der Welt ausgestellt, seine Werke polarisieren bis heute, er hat sich für direkte Demokratie durch Volksabstimmung und den Naturschutz eingesetzt und 1980 die Partei „Die Grünen“ mit gegründet. Die Ausstellung ist in der Grafischen Sammlung im ersten Stock der Kunsthalle noch bis zum 25. Oktober dieses Jahres zu sehen. kst

Kunsthalle zu Kiel, Düsternbrooker Weg 1, Kiel. Tel. 0431/8805756, www.kunsthalle-kiel.de