Ist das eine Frage?

Ein bisschen Verwirrung beim Lesen seiner leuchtenden Worte ist genau das, was der Kieler Künstler Marcus Meyer mit der Installation an der Kiellinie erreichen will. Foto: Jan Köster

Kunstaktion an der Kiellinie soll zum Nachdenken anregen

Kiel. „Was tust du“ steht in zwei Meter hohen, hell leuchtenden Buchstaben auf der Wiese neben dem Geomar-Gebäude an der Kiellinie. „Schon als ich das installiert habe, kamen die Leute und fragten, was das soll. Es löst etwas aus in den Leuten“, sagt der Künstler Marcus Meyer. Den Kielern ist der 53-Jährige vielleicht eher bekannt durch seine Holzkunst. In seiner Galerie in der Schloßstraße 4 in Kiel zeigt Marcus Meyer die Tierfiguren seiner Reihe „Die letzten ihrer Art“, aber auch Bilder und Kleinkunst, die seine ganz besondere Art der Holzbearbeitung dokumentieren. An der Stelle, wo jetzt nachts die Schrift leuchtet, arbeitete der Künstler bei der vergangenen Kieler Woche etwa an einem lebensgroßen Eisbären.

Unter der Überschrift „Schrift im Land“ hat Marcus Meyer schon an verschiedenen Orten leuchtende Denkanstöße gesetzt. Denn darum geht es ihm: Er will die Leute dazu bringen, über den Satz nachzudenken. Oder ist es gar kein Satz? Nur ein Teil davon? Immerhin steht kein Satzzeichen dahinter. Jeder, der sich fragt, was das soll, kann sich je nach Interpretation ein Satzzeichen dazu denken oder den Satz verlängern. Fast automatisch kommt dabei aber ein Hinterfragen von Gewohntem heraus, und das ist ganz im Sinne des Künstlers. Denn eines seiner grundlegenden Themen ist unser Umgang miteinander und mit unserer Umwelt.

Vor allem für die Passagiere der Stena-Fähre hat Marcus Meyer die Schrift an genau dieser Stelle errichtet. Genau dort dreht die Fähre beim Ein- und Auslaufen. Vom Schiff aus können Passagiere und Besatzung nur die leuchtende Schrift sehen, haben aber keine Chance, die Lichterketten und Holzlatten zu erkennen, aus denen sie aufgebaut ist. Das verstärkt den Effekt, ist sich Marcus Meyer sicher.

Kurz vor dem 4. Advent will er das Wort „tust“ gegen „glaubst“ ersetzen – passend zum Weihnachtsfest. Bis Ende Januar kann die Schrift auf der Geomar-Wiese zunächst stehenbleiben. „Vielleicht wechsle ich auch noch einmal in einen englischen Satz“, überlegt Marcus Meyer, immerhin sollen möglichst alle Passagiere und Besatzungsmitglieder der Stena-Fähre seinen Denkanstoß verstehen, egal aus welchem Land sie kommen. kst