„Ikone und Spiegel“

Die orthodoxe Frau in der modernen russischen Gesellschaft zeigt Filmemacherin und Fotografin Pola Rader im Kirchenkai mit ihrem Fotoprojekt „Ikone und Spiegel“. Foto: Pola Rader

Ausstellung zur Rolle der Frau in der modernen orthodoxen Kirche

Kiel. Auch in der heutigen Zeit gelten für Frauen in der orthodoxen Kirche noch zahlreiche Tabus, die sie von der aktiven Teilnahme am Kirchenleben ausschließen. Mit ihrem Fotoprojekt „Ikone und Spiegel“ hat die Filmemacherin und Fotografin Pola Rader das Spannungsfeld zwischen der Idealisierung der ikonischen Heiligen Jungfrau Maria und der Position der orthodoxen Frau in der modernen russischen Gesellschaft untersucht. Die Bilder sind ab Freitag, 17. Januar, im Kieler Kirchenkai, Rathausstraße 5, zu sehen.

Pola Rader kombiniert in ihren Projekten oft Dokumentarisches und Künstlerisches und legt den Fokus auf verschiedene soziale Fragen wie beispielsweise die Interaktion zwischen Gesellschaft und Individuen. In „Ikone und Spiegel“ porträtiert sie die in Russland lebenden orthodoxen Frauen und interviewt diese zu den Themen Glauben und Frauenrolle im orthodoxen Kontext.

Die Protagonistinnen des Projektes leben in der in Zentralrussland liegenden Großstadt Woronesch. Das ist ein Ort mit einer sehr starken orthodoxen Tradition. Dort gibt es eines der ältesten orthodoxen Priesterseminare mit zwei Fakultäten, die für Frauen vorgesehen sind. Außerdem gibt es dort den Frauenrat der Orthodoxie, der einmalig in Russland ist. Und obwohl der Weg zu den führenden Stellen nur für die Priesterfrauen erlaubt ist, finden auch andere Frauen immer öfter Möglichkeiten, aktiver in der Orthodoxie zu arbeiten.

Bei aller Unterordnung nehmen diese Frauen starke Positionen ein. Sie fügen sich in ihr Schicksal, jedoch mit Würde. Die hochgeachteten geistigen Eigenschaften und Werte der Mutter Gottes werden durch die orthodoxen Frauen weitergelebt: nicht stolz zu werden und Demut zu haben, die Leiden geduldig zu ertragen.

Die Konstanz der eigenen Tradition fordert heutzutage die orthodoxen Frauen zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dieser. Wie kann man die Traditionen respektieren und sie gleichzeitig kritisch reflektieren?

Die für die Ausstellung ausgewählten 14 Abbildungen vereinen dokumentarischen Ursprung und künstlerische Bildbearbeitung. Gedruckt auf lackiertem Holz stellen sie eine visuelle Analogie mit dem Erscheinungsbild einer Ikone her. Das Projekt begleiten Auszüge aus Interviews mit den Frauen, die anonym im Ausstellungsbuch zusammengefasst sind.

Am Freitag, 17. Januar, wird die Ausstellung um 19.15 Uhr im Kirchenkai, Rathausstraße 5 in Kiel eröffnet. Am Freitag, 7. Februar, gibt es ab 18 Uhr ein Gespräch mit der Künstlerin in der Ausstellung. Wann die Ausstellung geöffnet ist, erfahren Neugierige über die Webseite www.city-pastoral-kiel.de oder unter Tel. 0431/26092316. Der Eintritt ist kosten- und barrierefrei.