Hansjörg und sein Papier

Mit filigraner Sorgfalt widmet sich der Künstler Hansjörg Schneider seinen Postkarten. Foto: Hansjörg Schneider

Eckernförde. Am morgigen Sonntag, 23. Februar, öffnet ab 11.30 Uhr die erste Ausstellung des neuen Jahres im Museum Eckernförde, Rathausmarkt 8. Gezeigt werden bis zum 26. April circa 80 Arbeiten des Künstlers Hansjörg Schneider, der mit seinen der Architekur und Grafik nahestehenden Papierschnitten eine eigenständige Form und Bildsprache gefunden hat. In der Ausstellung widmet er sich der Transformation einer Postkarte und verhilft dem analogen Medium in digitalen Zeiten zu neuer Wertschätzung.

In seinem der Architektur und Grafik verbundenem Werk ist das Schneiden zentral: Der Umgang mit Papier und Skalpell bestimmt seine Arbeit. Mit großer Sorgfalt und feinem Gespür für Formen, Linien und Strukturen entstehen aus dem flachen Werkstoff Papier oft räumlich wirkende, vielschichtige Ansichten, die urbane oder landschaftliche Strukturen, häufig auch Ikonen der Moderne zum Gegenstand haben.

Für diese Ausstellung griff Hansjörg Schneider auf seine große Postkartensammlung mit architektonischen Motiven und Stadtansichten zurück. In einem kunstvollen Prozess des Zerschneidens und wieder Zusammensetzens verwandelte der Künstler Bildpostkarten zu fantasievollen filigranen Objekten – nichts wurde entfernt, nichts hinzugefügt. Anders ging er mit den Postkarten in den Drehständern „Archiv I + II“ und der Serie „Abrissarbeiten“ um. In der Vorgehensweise unterschiedlich, zeichnen sie sich durch die Wegnahme von Material aus.

Neben Postkarten zeigt Hansjörg Schneider mit der Serie „Veduten“ Papierschnitte auf schwarz geschöpftem Karton und knüpft damit an die Tradition italienischer Veduten und Capriccios an. Für seine Ausstellung entstanden zudem große Papierschnitte, deren Motiv der Künstler im markanten Ziegelmauerwerk des Eckernförder Rundsilos fand.

Hansjörg Schneider wurde in Eckernförde geboren, zog später nach Kiel und studierte neben Freier Kunst an der Muthesiusschule auch Philosophie und englische Philologie an der Christian-Albrechts-Universität. Nach Abschluss seines Studiums zog er 1989 nach Berlin, wo er seither lebt und arbeitet. In Schleswig-Holstein ist er mit Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen stets präsent. Seine Kunst ist in den Museumssammlungen und darüber hinaus vertreten und ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Gottfried-Brockmann-Preis der Stadt Kiel.