Groschen wird weiter umgedreht

Benjamin Walczak (Groschendreher e.V.), Gesa Rogowski (Howe-Fiedler-Stiftung) und Arne Leisner (Amt für Soziale Dienste der Stadt Kiel) machen sich stark für Senioren in Armut, die jetzt besondere Unterstützung brauchen. Mit dem neuen Flyer sollen sie aufs Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden. Foto: Ulrike Volkmann

Kiel. Als der Verein Groschendreher – das Kieler Bündnis gegen Altersarmut – im Herbst 2019 seine Arbeit in Kiel aufnahm, um armen Senioren in Kiel mehr Teilhabe und Unterstützung zu gewähren, konnte niemand ahnen, wie wichtig diese Unterstützung nur ein knappes halbes Jahr später werden würde. Corona hat besonders die älteren und sozial schwachen Menschen hart getroffen. Sie gehören zu Risikogruppe, leben oft relativ isoliert und sind von vielen Informationsmitteln wie Internet oder Tageszeitung abgeschnitten. Um ihnen Zugang zu Informationen zu geben, wo sie Hilfsangebote annehmen und Unterstützung bekommen, hat der Verein gemeinsam mit dem Amt für Soziale Dienste einen Flyer entwickelt, auf dem alle wichtigen Informationen rund um Corona zusammengefasst sind.

„Alte Menschen, deren finanzielle Lage sehr schlecht ist, hat Corona gleich doppelt getroffen“, erklärte Benjamin Walczak, 1. Vorsitzender der Groschendreher, bei der Vorstellung des neuen Flyers in der vergangenen Woche, „sie gehören der Risikogruppe an und sind arm.“ Gerade arme Menschen gehen oft in verschiedene Supermärkte, wo sie die unterschiedlichen Angebote nutzen, aber sich viel draußen zu bewegen, war gerade ihnen nicht angeraten.

Was also tun? „Handeln!“, dachten sich die Groschendreher, die gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden, der Stadt, den Kirchengemeinden, Stiftungen und vielen ehrenamtlichen Helfern gut vernetzt sind und nun schnellstmöglich dieses Netzwerk aktivierten. So wurde innerhalb kürzester Zeit die Idee des Soli-Tellers geboren: Wer Essen geht, kann zusätzlich zu seinem Essen ein zweites kaufen, dass sich dann ein Bedürftiger in dem Restaurant abholen kann – im „mmhio“ im Knooper Weg sowie im „TanTamar“ in der Steinstraße. „Die Zahl der bereits gekauften Teller übersteigt in beiden Lokalen, die der bereits abgeholten“, so Walczack. „Scheuen Sie sich also nicht, das Angebot anzunehmen“, ermunterte auch Gesa Rogowski von der Howe-Fiedler-Stiftung die Menschen, die sich keine warme Mahlzeit leisten können. Über die Stiftung ist es auch weiterhin möglich, ein Care-Paket zu bekommen, das dringend benötigte Lebensmittel und Hygieneartikel beinhaltet. „Hilfe gibt es, sie muss vor allem gefunden werden“, sagte Arne Leisner, Leiter des Amtes für Soziale Dienste, und begrüßt deswegen die analoge Aufmachung des Flyers. Auf ihm finden die Menschen alle wichtigen Telefonnummern unter anderem der vielen Anlaufstellen Nachbarschaft „anna“, bei denen sie neben Hilfsangeboten auch wichtige Informationen erhalten können.

Alle Kieler Hilfsinitiativen sind eng miteinander vernetzt, geben untereinander Kontakte weiter und versuchen so, möglichst viele Menschen in Not zu erreichen. Verteilt werden 5000 Exemplare unter anderem durch ambulante Pflegedienste, den Lieferdienst der Kieler Tafel, außerdem liegen sie in den „annas“ in allen Stadtteilen aus. „Wir sind sehr froh darüber, dass wir so viele Hilfsketten geschaffen haben, die auch in der Zeit nach Corona Bestand haben werden“, erklärte Arne Leisner. „Die Hilfsbereitschaft ist groß“, findet auch Benjamin Walczack, „was wir uns noch wünschen, wären noch mehr Gastronome in allen Stadtteilen, die sich dem Projekt Soli-Teller anschließen. Ihnen entstehen dadurch keine Kosten.“ vmn