Fernreisen ohne zu fliegen: Start-up will das ermöglichen

Elias Bohun vor der Transsibirischen Eisenbahn. Foto: Elias Bohun

Zug statt Flug – das ist die Devise von „Traivelling“. Mit ihrem Reisebüro wollen Elias und Matthias Bohun Fernreisen ohne Flüge anbieten. Der reisereporter hat mit dem Vater-Sohn-Duo gesprochen.

Ferne Länder entdecken und gleichzeitig Langstreckenflüge vermeiden – diese Kombination ist zwar möglich, aber aufwendig und zeitintensiv. In Zeiten, in denen regelmäßig weltweit Hunderttausende Menschen auf die Straßen gehen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren, können viele Menschen Fernreisen mit dem Flugzeug nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren.

Genauso ging es Elias Bohun (19). Nach seinem Schulabschluss wollte der Österreicher im Jahr 2018 einige Monate in Asien verbringen. Weil er viel Zeit im Gepäck hatte, sollte es diese Fernreise werden – die aber gleichzeitig möglichst ökologisch sein sollte. Also schlug er seiner damaligen Freundin vor: Lass uns mit dem Zug nach Vietnam reisen!

Dabei stellte Elias allerdings schnell fest, dass es ganz schön kompliziert sein kann, für jedes Reiseland eine Bahnverbindung zu buchen. Oft hätten sie die Tickets von Agencys – also externen Reiseagenturen und Reisevermittlern – gekauft und vor Ort hinterlegen lassen. „Es ging zum Glück alles gut und war eine urtolle Erfahrung“, sagt er im Gespräch mit dem reisereporter. Allerdings sei es immer wieder ein ziemlicher Nervenkitzel gewesen, ob die Zugtickets tatsächlich für die beiden hinterlegt worden seien.

Während dieser Reise wurden Elias zwei Dinge klar. Erstens: So weite Strecken mit dem Zug zurückzulegen, ist eine völlig andere Art des Reisens. „Man bekommt ein ganz neues Gefühl für Entfernungen“, sagt er. „Wir sind auf dem Weg nach Vietnam quasi durch alle Klimazonen der nördlichen Hemisphäre gereist.“ Solche Erfahrungen überfliegt man im Flugzeug buchstäblich.

Außerdem stellte der 19-Jährige schnell fest, dass es bislang keinen Anbieter gibt, der Zugreisen auf der ganzen Welt verkauft – selbst innerhalb Europas verschiedene Zugtickets zu kombinieren, sei schon schwer.

Gemeinsam mit seinem Vater Matthias Bohun will er das ändern: Die beiden arbeiten an einem Reisebüro für Fernreisen ohne Flugzeug. Ihre Website „Traivelling“ ist in einer Beta-Version bereits online. Im Laufe des Dezembers wollen die beiden die ersten Reisen verkaufen – später ist auch ein analoges Geschäft geplant.

Dass das Interesse an internationalen Zugreisen groß sei, zeige sich schon jetzt: „Allein in den letzten fünf Tagen haben wir 500 Anfragen erhalten“, verrät Elias. „Wir bekommen viele positive Rückmeldungen.“ Wer mit dem Zug zum Beispiel nach Südostasien oder aber auch nach Portugal oder Nordeuropa reisen möchte, kann das Vater-Sohn-Gespann mit dem Reisewunsch kontaktieren.

Die beiden suchen dann die beste Verbindung und buchen die Tickets in Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort. Derzeit sind sie emsig dabei, ein Netz aus solchen lokalen Agenturen aufzubauen.

Die Zusammenarbeit mit seinem Vater laufe Elias zufolge übrigens gut. Während sich Matthias hauptsächlich um die Partnerschaften und rechtlichen Belange kümmert, ist Elias der Zugexperte und beantwortet Anfragen. Die Arbeit sei für ihn ein echter Traumjob: „Ich habe mir immer schon gewünscht, Leuten weltweite Reisen an Land anzubieten“, sagt er. Außerdem würde er bei der Recherche nach den Verbindungen viel dazulernen. „Es ist total interessant.“

Vielleicht auch, weil die Anfragen von Interessenten ihm immer wieder Lust auf neue Reiseziele machen, oder? „Eigentlich möchte ich noch überallhin“, sagt Elias und lacht. Und wohin als Erstes? Vielleicht werde er mit seinem Vater bald einen Business-Trip in Richtung Südostasien unternehmen, um die Partner vor Ort zu besuchen. „Aber auch der Norden von Norwegen mit dem Arctic-Circle-Train reizt mich.“

Sind die Fernreisen auf der Schiene tatsächlich umweltfreundlicher als im Flieger? Als Beispiel: Bei einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Hanoi werden für rund 2,8 Tonnen CO2 ausgestoßen. Das ergeben Rechner wie „Myclimate“.

Dem Umweltverband VCD zufolge werden bei Flugreisen rund 5,6-mal mehr Treibhausgase pro Personenkilometer und elfmal so viele Stickoxide freigesetzt wie bei Fahrten mit der Deutschen Bahn. Besonders auf so weiten Strecken wie von Deutschland nach Südostasien ergibt das einen beträchtlichen Unterschied. Weil die Treibhausgase beim Fliegen aber in so großer Höhe ausgestoßen werden, ist ihre Auswirkung auf die Atmosphäre sogar noch gravierender als am Boden.

Ökologisch verträglichere Fernreisen anbieten – diesem Ziel kommen Elias und Matthias Bohun mit „Traivelling“ also ein ganzes Stück näher. Und viel teurer als Flugreisen sind die Bahnfahrten übrigens nicht: Die Zugfahrt nach Hanoi koste um die 650 Euro, je nach Reisezeit und Verfügbarkeit. Nonstopflüge von Frankfurt in die vietnamesische Hauptstadt mit Vietnam Airlines gibt’s je nach Buchungslage schon mal ab 500 Euro, in der Regel liegt der Preis aber deutlich darüber.