Eimerweise nachhaltige Pilze

In wiederverwendeten Eimern aus der Lebensmittelproduktion wachen im „Kieler Pilzwerk“ von Robert Schwartz verschiedene Sorten von Pilzen. Foto: Jan Köster

Kiel. Hochwertige Speisepilze in so guter Qualität und so großer Menge zu züchten, dass er von ihrem Verkauf leben kann, und das Ganze möglichst nachhaltig und möglichst ohne Müll zu produzieren: Das ist das Ziel von Robert Schwartz. Aktuell baut der 28-Jährige sein „Kieler Pilzwerk“ unter einem Angelgeschäft in der Kieler Sörensenstraße gerade auf eine deutliche Nummer größer aus. Für seinen Businessplan und sein Nachhaltigkeitskonzept ist er im vergangenen Jahr beim Gründer-Cup der Kiel-Region bereits mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden.

Vor allem verschiedene Sorten von Seitlingen wachsen aktuell im Zuchtraum aus den Seitenwänden von gestapelten weißen Plastikeimern heraus: braune Kastanienseitlinge, gelbe Zitronenseitlinge oder auch rosa gefärbte Rosenseitlinge. Das, was für den Teller interessant ist, sind dabei eigentlich nur die Fruchtkörper – der eigentliche Pilz ist das „Mycel“, das haarfeine Gespinst aus vielfach verzweigten Schläuchen, den so genannten „Hyphen“, die das Substrat im Inneren des Eimers komplett durchwachsen und es schließlich in einen feinen weißen Pelz einhüllen. An Löchern im Eimer können sie nach draußen wachsen und die Fruchtkörper bilden, die der eigentlichen Verbreitung mit Sporen dienen.

Die weißen Eimer sind Überbleibsel aus industrieller Lebensmittelproduktion, die normalerweise als Müll recycelt werden. Sie sind lebensmittelecht, leicht zu reinigen und immer wieder verwendbar. In herkömmlichen großen Pilzzuchten kommen statt der Eimer überwiegend Plastikbeutel zum Einsatz, die nach einmaligem Gebrauch als Müll anfallen. Auch das Substrat im Kieler Pilzwerk ist ein Ergebnis lokalen Recyclings: eine Mischung aus gehäckseltem Stroh und Kaffeesatz aus der Kieler Rösterei „Loppokaffee“.

An der genauen Zusammensetzung des Substrats und den Feinheiten seiner Produktionsabläufe tüftelt Robert Schwartz seit fast vier Jahren. Aus seiner Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten konnte er einige Kenntnisse in Labortechnik übernehmen. Die sind zum Beispiel wichtig, wenn es darum geht, Pilze sauber und sortenrein zu klonen. Aktuell ist er „nebenbei“ Agrarstudent mit Schwerpunkt Umwelttechnik. Für alternative Anbaumethoden wie dem Gartenbau auf städtischen Flächen und Gebäuden („Urban Gardening“) oder der Zucht von „Microgreens“, also Keimlingen von Gemüsepflanzen, interessiert sich Schwartz schon lange, darüber kam er auch auf den Pilzanbau. Inzwischen verdient er mit dem Verkauf seiner Pilze erstes Geld, aber „leben kann ich noch nicht davon. Dafür muss alles noch deutlich effizienter werden“, sagt Robert Schwartz. Er ist dran: Aktuell erweitert er nicht nur seine Labor- und Produktionsflächen, sondern plant auch Automatisierungs- und Klimatechnik ein, um das Verhältnis von Aufwand und Ertrag zu verbessern. Und seinen Studienabschluss wird er auch noch machen, das steht fest. kst

www.kieler-pilzwerk.de