Die Vielfalt der flachen Helden

Ob bei „Der Kleine Prinz“ oder bei anderen Stücken: Die Fantasie spielt mit, wenn die Papierfiguren in Preetz auf ihren winzigen Bühnen agieren. FOTO: VHS PREETZ

PREETZ. Elf Bühnen aus fünf Ländern werden in diesem Jahr zum 34. Preetzer Papiertheatertreffen in den Schulen am Hufenweg, Hufenweg 5 in Preetz erwartet. Damit behält es trotz der derzeitigen Beschränkungen im zweiten Corona-Jahr seine Internationalität.

Inga Feldmann, Organisatorin und Leiterin der für das Festival verantwortlichen Volkshochschule Preetz, geht davon aus, dass alle Künstlerinnen und Künstler anreisen können: „Wir freuen uns sehr, dass wir es – Stand heute – hinbekommen, diese Perle im schleswig-holsteinischen Kulturleben vom 10. bis 12. September wieder zum Strahlen zu bringen.“

Die Bühnen kommen aus den USA, Frankreich, Dänemark, der Schweiz und Deutschland. Dazu gehört beispielsweise auch die Schauspielerin und Musikerin Yulya Dukovny aus Kalifornien, die mit „Fisherman‘s Dream“ eine Puschkin-Fabel interpretiert. Das französisch-deutsche Ensemble vom Théâtre de Table bringt den Kinderbuchklassiker „Willibald“ auf die Bühne. Papirteatret Meklenborg aus Dänemark gruselt mit der Horrorgeschichte „Der Krocketspieler“ von H.G. Wells die Zuschauer und die Bühne, und der kleine Prinz wird von der Bühne La Boite à trucs aus Frankreich präsentiert.

Das weltweit einzigartige Papiertheatertreffen findet seit seiner Gründung im Jahr 1988 durch den Papiertheatersammler und Spieler Dirk Reimers jedes Jahr statt. Lediglich in 2020 gab es eine digitale Retrospektive als Ersatz für das ausgefallene Treffen. Dirk Reimers: „Wir haben es über all die Jahrzehnte geschafft, das Papiertheater der Biedermeierzeit leben zu lassen und weiterzuentwickeln. Ohne das jährliche Treffen, welches Menschen in aller Welt verbindet, wäre dies sicherlich nicht so erfolgreich gelungen. Ich freue mich, dass die Vhs mit Inga Feldmann diese Tradition fortführt und neue wichtige Akzente setzt.“ Reimers möchte sich aus Altersgründen aus der Organisation zurückziehen und sich gemeinsam mit seiner Frau auf seine Sammlung und sein Theater im Heimatmuseum in Preetz konzentrieren.

Schon in der Biedermeierzeit wurde das Papiertheater in den bürgerlichen Stuben vor familiärem Publikum gespielt. Auch Charles Dickens soll ein Papiertheater besessen und mit seinem engagierten Spiel die Nachbarn gestört haben. In Thomas Manns „Buddenbrooks“ bekommt Hanno zu Weihnachten ein Papiertheater geschenkt. Sammlern, Liebhabern und Künstlern ist es zu verdanken, dass bis heute das Papiertheaterspiel in vielen Ländern verbreitet ist.

Weil die Zahl der Zuschauerplätze aktuell noch beschränkt ist, empfiehlt es sich, Tickets rechtzeitig online über https://papiertheatertreffen-preetz.de zu bestellen. Dort sind auch aktuelle Informationen zum geltenden Hygienekonzept zu finden.