Die „Tanne“ für immer

Wiederverwendbare Tannenbäume aus Treibholz. Foto: Nevergreen

Kieler Studierende stellen Weihnachtsbäume aus Treibholz her

Kiel. Ein Weihnachtsbaum, der für immer hält und nicht aus Plastik ist – das wäre doch mal eine gute Idee. Das dachten sich auch Julia Schaller und ihre vier Kommilitonen und riefen das Projekt „Nevergreen“ ins Leben. Ein „Nevergreen“ ist ein wiederverwendbarer Weihnachtsbaum aus Treibgut. Noch sind ein paar Exemplare erhältlich.

„Das Problem bei dem traditionellen Weihnachtsbaum besteht vor allem in dem Anbau der Bäume in Monokulturen unter Einsatz von Düngern und Pestiziden“, sagt Julia Schaller, Geografiestudentin an der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Hinzu kommt, dass die Bäume nach dem Fest einfach weggeworfen werden. Bisherige Alternativen seien entweder Ökobäume, die ohne Dünger und Pestizide auskommen, oder Bäume, die mit Ballen verkauft werden. Sie und vier Kommilitonen, Lara Weidemann, Luisa Verlemann, Julius Wulff und Jana Fey, wollten aber im Rahmen des Yooweedoo-Changemaker-Kurses eine noch nachhaltigere Lösung finden. „Unser Nevergreen besteht aus Treibholz, das wir den Sommer über an der Elbe und an der Nordseeküste gesammelt haben. So wird genutzt, was ohnehin schon vorhanden ist“, so Schaller. Die Füße und die Spitze bestehen ebenso aus Holzresten. Aufbauen lässt sich der Baum nach einem Stecksystem. Ast für Ast wird auf eine Gewindestange aufgefädelt. So lässt sich der Baum leicht auf- und wieder abbauen und platzsparend verstauen.

Mit dem Kauf eines Nevergreens, der immerhin stolze 85 Euro kostet, bekommt man aber nicht nur einen jahrelang wiederverwendbaren Weihnachtsbaum, sondern tut auch etwas Gutes. Pro verkauftem Treibholzbaum geht eine Spende an den Verein „Face“, der in Malawi eine Baumschule aufbaut und junge Menschen dabei unterstützt, Grünflächen nachhaltig zu bewirtschaften und zu pflegen. „Mit jedem verkauften Nevergreen spenden wir 65 Setzlinge für das Projekt“, sagt Schaller.

Wegen der Corona-Pandemie konnte das Team mit dem Bauen der Bäume in diesem Jahr nicht wie geplant im März beginnen. Zudem hätte das Team den Zeitaufwand für das Schnitzen und Schleifen der Äste unterschätzt, so die Studentin. Schließlich stellten sie aber doch die ersten zehn Bäume fertig, von denen sie inzwischen bereits die Hälfte verkaufen konnten. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv, auch Anfragen für größere Bäume für Weihnachten in 2021 liegen schon vor. Das Team ist motiviert, auch kommendes Jahr wieder gemeinsam zu werkeln. saa

Wer einen Nevergreen haben möchte, kann sich per E-Mail an nevergreen.kiel@gmail.com einen bestellen. Im Stadtgebiet liefert das Team auch aus.