Die „Poseidon“ hat ausgedient

Das Forschungsschiff „Poseidon“ vor dem Ätna. Er ist Europas aktivster Vulkan. Seine Ostflanke erstreckt sich bis tief ins Mittelmeer. Foto: Felix Gross

Arbeitspferd der Kieler Meeresforschung geht nach fast 44 Jahren aus der Fahrt

Kiel. Knapp 44 Jahre lang war das Forschungsschiff „Poseidon“ von Kiel aus im Einsatz für die Erforschung der Meere – zuerst im Dienst des Instituts für Meereskunde, das später in das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel überging. Jetzt wird das Schiff außer Dienst gestellt und soll verkauft werden.

Die 1976 in Dienst gestellte „Poseidon“ hat 539 Expeditionen hinter sich und ist nun zum letzten Mal wieder zurück in Kiel. Auf der Webseite des Verwertungsunternehmens des Bundes Vebeg ist das Verkaufsangebot für das Schiff bereits online, die eigene Webseite der „Poseidon“ beim Geomar ist bereits offline.

Die „Poseidon“ ist als hochseefähiges Multifunktionsschiff konzipiert worden, das etwa drei Wochen auf See verbringen kann. Es war praktisch überall, egal ob Nordmeer, Schwarzes Meer, Rotes Meer, Mittelmeer oder Nordatlantik. Auch inhaltlich war sie als echter Allrounder unterwegs: Sie fuhr für die Meeresbiologie, die Geologie, die Geophysik oder auch für die physikalische oder chemische Ozeanographie. Und bei den Wissenschaftlern erfreute sie sich großer Beliebtheit: Sie war sehr seetüchtig, konnte auch kleinere Häfen anlaufen.

Die Atmosphäre an Bord galt als familiär. Mit fünf Laboren, sieben Winden und leistungsfähigen Krananlagen für den Einsatz schwerer Geräte ist die „Poseidon“ für die unterschiedlichsten Forschungseinsätze ausgerüstet.

Doch: „Nun, nach mehr als 40 Jahren, haben sich die Anforderungen seitens der Wissenschaft verändert“, so Dr. Klas Lackschewitz, Schiffskoordinator am Geomar.

Eigentlich ist die „Poseidon“ sogar schon viel länger im Dienst als ursprünglich mal geplant gewesen war. Bereits im Jahr 2005 bescheinigte Prof. Peter Herzig, damals Direktor des Kieler „Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften IfM-Geomar“, in einem Bericht der Kieler Nachrichten dem Schiff, dass es aufgrund seines Alters nicht mehr den Anforderungen der Wissenschaft entspreche. Spätestens Anfang des Jahres 2008 sollte die Poseidon damals verkauft und ersetzt werden.

Fast 15 Jahre später ist es nun tatsächlich soweit. Ein Nachfolgeschiff, das nicht nur die „Poseidon“ ersetzen soll, sondern auch das fast 40 Jahre alte Forschungsschiff „Meteor“, ist in Planung. Allerdings dauert die Anschaffung eines individuell gefertigten Forschungsschiffes von der Planung über die Finanzierung bis zur Auslieferung sehr lang, sodass die Kieler Meersforscher nach Einschätzung von Geomar wohl noch Jahre auf ihr neues Schiff warten müssen. Aktuell rechnet das Geomar für 2024 mit dem Nachfolgeschiff „Meteor IV“. Für die seemännische Besatzung der „Poseidon“ ist das keine gute Nachricht. „Die Stimmung an Bord ist doch sehr gedrückt“, sagt Klaus Küper von der die „Poseidon“ betreibenden Reederei Briese in Leer. „Viele Kollegen haben sich lange Hoffnung auf einen nahtlosen Übergang auf das neue Schiff gemacht. Jetzt werden bei uns faktisch 25 Arbeitsplätze entfallen, da wir kein entsprechendes Alternativangebot unterbreiten können.“