Der sichere Weg zum Arzt

In der Praxis vom Internisten Arafat Al Atawneh wird der Schutz vor einer Corona-Infektion ernst genommen. Die Medizinische Fachangestellte Nicole Lausberg (li.) und Auszubildende Taghreed Nemer sitzen an der Anmeldung hinter einer Schutzscheibe. Foto: saa

So schützen Arztpraxen ihre Patienten vor Corona

Kiel. In die Arztpraxen trauen sich aktuell nur wenige Menschen. Die Angst vor dem Coronavirus sitzt tief. Gerade Patienten aus den Risikogruppen sind verunsichert: Sollen sie zu Hause bleiben oder zur Untersuchung gehen? Was die Praxen tun, um das Infektionsrisiko zu verringern, erklären zwei Kieler Ärzte.

Überall in Kiel und im Umland verzeichnen Haus- und Fachärzte einen erheblichen Rückgang der Patientenzahlen. Das ist auch das Stimmungsbild im Praxisnetz Kiel, einem Zusammenschluss von mehr als 250 Ärzten aus dem Kieler Raum. „Viele haben weniger als 50 Prozent der Patienten im Gegensatz zum Normalzustand“, so der Internist Arafat Al Atawneh, Vorstand vom Praxisnetz. Zu seinem Patientenstamm gehören auch viele Patienten aus Risikogruppen. „Ich behandle viele Menschen mit chronischen Krankheiten, Immunschwäche, Menschen mit Diabetes, Rheuma oder auch Krebs. Aber einige kommen aus Angst momentan nicht in die Praxis.“

Einen deutlichen Rückgang an Patienten nimmt auch Gerd Taute, Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis im Citti-Park Kiel, wahr. Daher bietet die Praxis nun neue Sprechstundenformate an. „Seit Anfang April können Patienten eine Videosprechstunde vereinbaren“, so Taute. Vieles könne aber auch direkt am Telefon besprochen werden. Zudem gibt es täglich eine Infekt-Sprechstunde, die zwei Stunden vor Ende der Öffnungszeiten beginnt und sich vor allem an die Menschen richtet, die typische Erkältungssymptome haben. Dabei achtet die Praxis darauf, dass die Patienten nicht zusammen im Wartezimmer sitzen, sondern sofort in die Behandlungsräume gebracht werden.

Auch in der Praxis von Arafat Al Atawneh gibt es nun strengere Ablaufregeln im Praxisalltag. Patienten können nur nach telefonischer Absprache zu einem bestimmten Zeitpunkt kommen. Noch an der Tür wird jeder mit einem Infrarot-Temperaturgerät auf Fieber getestet. Erst danach darf er die Praxisräume betreten. Auf dem Anmeldetresen sind Spuckschutzscheiben angebracht, das Praxispersonal trägt immer einen Mund-Nasen-Schutz. Im Wartezimmer können maximal fünf Personen sitzen, die Abstände zwischen den Stühlen wurden auf 1,5 Meter erhöht. Es wird darauf geachtet, dass sich Patienten nicht auf dem Flur begegnen. Alle zwei Stunden werden die Türgriffe desinfiziert.

Wer sich also zur Risikogruppe zählt und akut Beschwerden hat oder Kontrollen für seine chronischen Krankheiten benötigt, sollte sich an seinen Arzt wenden. Ein Aufschieben der Untersuchung oder Behandlung würde langfristig womöglich nur schaden, da sind sich die Ärzte einig. saa