Das Warten auf den Bagger

Solange bis Abriss und Neubau der kleinen Schleusenkammern beginnen können, schützt der Sand die maroden Wände vor dem Einstürzen. Foto: kst

Neubau der alten Holtenauer Schleusen braucht viel Zeit für die Vorbereitung

Kiel. Inzwischen ist ein bisschen Gras gewachsen über die rund 140.000 Kubikmeter Sand in den beiden alten 125 Meter langen Schleusenkammern in Holtenau. Seit 2014 waren diese Kammern nicht mehr in Betrieb, seit März 2019 sind sie mit Sand gefüllt, der die beiden Teile der Schleuseninsel in der Holtenauer Kanalmündung jetzt auf Zeit fest miteinander verbindet. Wo früher Schiffe den Wasserstandsunterschied zwischen Kieler Förde und Kanal überwanden, erstrecken sich jetzt karge, dünn bewachsene etwas steinige Sandflächen, vereinzelt setzen Blüten kleine farbige Akzente. Das Gebäude des Leitstandes auf der Mittelmauer zwischen den beiden Kammern steht leer, an den Pollern werden keine Schiffe mehr festmachen. All das kommt weg. Wird durch zwei neue, mit 155 Metern Nutzlänge etwas größere Schleusenkammern ersetzt. Ein Mammutprojekt, das noch eine ganze Reihe von Jahren benötigen wird.

Allein die nötigen Genehmigungen dauern. Denn das hier ist keine Sanierung, sondern ein kompletter Neubau, wie Frank Bullerkist, Projektleiter für den Ersatzneubau der Schleuse, erklärt: „Seit der Einweihung der Schleuse vor mehr als 120 Jahren hat sich, angefangen von den verwendeten Materialien, alles so grundsätzlich verändert, dass alles neu geplant werden muss. Im Planungsprozess müssen wir die Baubarkeit darstellen.“ Deswegen kann es gut sein, dass noch eine ganze Weile scheinbar nicht viel an den beiden „Sandkisten“ passiert. In dieser Zeit stützt der Sand die maroden Seitenwände der Schleusenkammern und verhindert, dass sie im schlimmsten Fall einfach einstürzen. Wenn die Arbeiten beginnen, wird der Sand auch Arbeitsplattform für die schweren Maschinen sein, die die 1885 eingeweihten Schleusen abreißen und abtransportieren. Für den Transport der Maschinen und riesigen Materialmengen ist auf der Schleuseninsel extra ein Anleger gebaut worden, der den Transport per Schiff zwischen Baustelle und dem Wiker Kanalufer ermöglichen wird.

Die neuen Kammern sind dringend nötig, weil sie den Kanal auch dann in Betrieb halten, wenn die beiden Kammern der großen Schleuse in Holtenau saniert werden. Auch die sind inwischen über 100 Jahre alt und haben es dringend nötig. Wenn es so weit ist, sollen sie nacheinander saniert werden, sodass jeweils immer noch eine der großen Kammern in Betrieb ist. Die beiden dann neuen, etwas kleineren Kammern sollen diese Engstelle der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt entlasten. Sollte ein Schaden auch die andere große Kammer blockieren, sind die neuen Schleusen immerhin noch groß genug für annähernd 75 Prozent aller Schiffe, die durch den Kanal fahren. Nur die ganz großen Pötte müssten dann den Umweg über den Skagerrak nehmen.

Doch erstmal ruht der Sand, der vom Ostseeboden vor der dänischen Insel Aerö stammt, in den alten Schleusenkammern. Die kleinen struppigen Grasbüschel darauf wachsen und verhindern mit ihren Wurzeln, dass der Wind zu viel Sand einfach wegweht. Damit auf der Fläche nicht im Laufe der Zeit aus Versehen ein Biotop mit geschützten Tier- oder Pflanzenarten entsteht, habe man bei der Ansaat auf eine Saatmischung geachtet, die keine seltenen Arten enthält, wie Maren Mattheis erklärt, die gemeinsam mit einer Kollegin für alle Umweltbelange am und im Nord-Ostsee-Kanal zuständig ist. Der karge Boden macht es den meisten anderen Pflanzen darüberhinaus schwer, sich anzusiedeln. Auch die „Gefahr“ dass sich besonders geschützte Tiere auf den temporären Sandflächen ansiedeln könnten, schätzt Expertin Maren Mattheis als gering ein: „Man darf nicht vergessen, dass das hier ein Betriebsgelände des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes ist. Hier gibt es ständig Störungen beispielsweise durch Fußgänger und den täglichen Betrieb.“ kst