Buben, die an Rosen riechen

Bisher haben Samantha Schwickat (li.), Carolin Bach und Jana Fischer (nicht im Bild) „Bunte Decks“ für Skat und Doppelkopf herausgebracht. Bald soll auch ein Deck für Rommé dazukommen. Foto: Jan Köster

Kiel. Rund 2000 Exemplare ihres „Bunten Decks“ haben die Kieler Studentinnen Samantha Schwickat, Jana Fischer und Carolin Bach seit Herbst 2019 schon verkauft. Die einzelnen Spielkarten sehen auf den allerersten flüchtigen Blick wie gewohnt aus. Doch der erste etwas nähere Blick zeigt Ungewohntes: Eine „Dame“ mit Schnurrbart, ein „Bube“, der versonnen an einer Rose riecht, ein anderer „Bube“ mit dunkelbrauner Haut. „Könige“, die Königinnen sind und in unterschiedlichen Hautfarben und Kleidungsstilen auftauchen. Das „Bunte Deck“ soll ganz niedrigschwellig Vorurteile abbauen, Rollenklischees hinterfragen und gegen Diskriminierung im Alltag wirken. Gerade erst sind Samantha Schwickat, Jana Fischer und Carolin Bach für ihr „Buntes Deck“ mit dem „Fairwandler-Preis“ der in Bensheim beheimateten „Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie“ ausgezeichnet worden.

Warum haben auf den Karten von Kartenspielen immer die Männer die Machtsymbole in der Hand und die Frauen höchstens mal eine Blume? Warum gibt es Könige aber keine Königinnen? Und warum sind alle Figuren weißhäutig und sehen europäisch aus? Antworten wie: „Das war schon immer so, Spielkarten sehen nun mal traditionell so aus“ sind nichts für Samantha Schwickat. Beim Kartenspielen kam der 25-Jährigen der Gedanke, dass es doch ein Kartendeck geben müsste, das der heute tatsächlich vorhandenen gesellschaftlichen Vielfalt viel besser gerecht wird. Gab es aber nicht. Also brachte die 25-Jährige die Idee eines „bunten“ Decks als Projekt-Idee in ihr Masterstudium „Sustainability, Society and the Environment“ an der Kieler Uni ein. Ihre Mit-Studierenden Carolin Bach und Jana Fischer gewann sie als Projekt-Kolleginnen, zu dritt machten sich die Frauen an die Umsetzung.

Für die Skizzen setzten sie darauf, eine möglichst große Vielfalt von Menschen auf den Karten darzustellen: Frauen ebenso wie Männer und geschlechtlich unbestimmte Personen, Menschen verschiedener Hautfarben und kultureller Hintergründe. Auch bei der künstlerischen Umsetzung haben die drei Frauen auf Vielfalt Wert gelegt: Sieben Künstlerinnen und ein Künstler haben die Originale der Kartenbilder mit Aquarellfarbe gemalt und konnten dabei teilweise auch ihre ganz persönlichen Ideen mit einbringen.

Gedruckt werden die FSC-zertifizierten Papierkarten bei einer Druckerei in Österreich, die höchste Nachhaltigkeitsansprüche erfüllt – „nachhaltiger kann man das nach unseren Recherchen zurzeit nicht machen“, sagt Samantha Schwickat.

Zu haben sind die „Bunten Decks“ für Skat beziehungsweise Doppelkopf bisher vor allem im Internet über die Webseite www.dasbuntedeck.de. Dort ist aber auch eine Liste der Buchhandlungen zu finden, in denen sie ebenfalls zu bekommen sind. Etwa im April oder Mai wollen Samantha Schwickat, Jana Fischer und Carolin Bach unter anderem mit dem Preisgeld der Karl-Kübel-Stiftung die nächste Auflage drucken lassen – dann auch mit einem Deck für Rommé. kst