Bitte majestätisch thronen!

Bei Touristen vermutlich deutlich bekannter als bei Kielern ist das Denkmal für Zar Peter III. am Kieler Schloss. Auch die zehnjährige Celine und ihr fünfjähriger Bruder Marius, die mit ihrer Familie im Urlaub in Kiel sind, nahmen schon einmal Platz. Foto: Jan Köster

Vor allem Touristen haben das Zarendenkmal am Kieler Schloss schon gefunden

Kiel. Ein Denkmal, auf dem man ganz offiziell herumlümmeln darf, ist selten. Kiel hat so etwas, obwohl viele Kieler das vermutlich gar nicht wissen: Das Zarendenkmal am Kieler Schloss – eine lebensgroße Bronzefigur von Zar Peter III., der neben seinem leeren Thron steht. Das Denkmal ist„interaktiv“ geplant, soll heißen: Es ist ausdrücklich erlaubt, auf dem leeren Thron Platz zu nehmen. Die zehnjährige Celine und ihr fünfjähriger Bruder Marius, die mit ihren Eltern eigentlich im Erzgebirge wohnen und gerade Urlaub in Kiel machen, haben es ausprobiert. Ihr Urteil über den Sitzkomfort auf dem bequem aussehenden Metall-Sessel: „Naja, geht so.“

Seit 2014 steht das Denkmal schon zwischen Kieler Schloss und Prinzengarten. Der Kieler Zarenverein hat die Skulptur gestiftet, um an jenen russischen Zaren zu erinnern, der am 21. Februar 1728 als Carl Peter Ulrich im Kieler Schloss geboren wurde. Seine Amtszeit war nur kurz. Im Januar 1762 übernahm er als Peter III. den Zarenthron, wurde aber nur wenige Monate später wieder zum Abdanken gezwungen und dann ermordet. Mit dem leeren Thron am Kieler Schloss symbolisiert Bildhauer Alexander Taratynov das vorzeitige Ende der Herrschaft des „Kieler Zaren“.

Komisch ist aber, dass offenbar viele Kieler dieses interaktive Denkmal gar nicht kennen. Dafür haben offenbar schon umso mehr Touristen dafür gesorgt, dass die Sitzfläche, der Fußhocker und die Adlerköpfe an den Armlehnen des Throns durch Benutzung hell geblieben sind.

Eine Erklärung dafür, dass ausgerechnet viele Touristen das Kieler Denkmal entdecken, liefert ein weiteres Touristenpärchen, das auf dem Thron Platz nimmt und die erklärende Tafel des Zarenvereins liest: „Wir haben das hier gefunden, weil wir auf der Suche nach dem Schloss waren. Deswegen laufen wir hier rum und suchen, aber das da kann es ja wohl nicht sein“, sagt der Mann und deutet auf den schmucklosen Klinker-Klotz mit Eckturm, der eben nun mal doch das Kieler Schloss ist. kst