Ankunft der dreckigen Fremden

Die Pi, hier bei der Generalprobe, wissen mit den Eindringlingen zunächst nichts anzufangen. Foto: Kirsten Böttcher

Nach „Überlebende am Strand“ gibt es jetzt das Stück „Überlebende im All“

Plön. Es geht wieder um Flucht, aber diesmal ganz anders. Am morgigen Sonntag, 12. Januar, ab 18 Uhr feiert das Theaterstück „Überlebende im All“ in der Aula am Schiffsthal, Schiffsthal 10 in Plön Premiere. Nach „Überlebende am Strand“ ist es das zweite Stück, das der Opern- und Theaterregisseur Joachim Rathke, diesmal mit einem Team aus 19 geflüchteten und deutschen Mitwirkenden, als Integrationsprojekt auf die Bühne bringt: Eine Gruppe von Menschen unterschiedlicher Herkunft macht sich auf die Reise ins Weltall zum Nebel des Orions. Sie überstehen den über 3000 Jahre währenden Flug im Kälteschlaf und sind nach ihrer Landung auf dem Planeten Pi nun Geflüchtete. Auf Pi treffen sie auf eine kollektive Lebensform, die gerade verhindern muss, dass ein Schwarzes Loch ihren Heimatplaneten verschlingt. Die Pi suchen nach Schuldigen für ihre ökologische Katastrophe und finden sie in den gelandeten Fremden, den eingedrungenen Menschen. Sie sagen Sätze wie „Was tun wir mit denen, die sind ja widerlich, abstoßend, sie haben nicht mal Flossen, keine Flossen…“ oder „Also, für mich sehen sie alle gleich aus: dreckig, haarig. Gar nicht glitschig, fremd…“. Die Pi sperren die Menschen zunächst in ein Lager, bevor es langsam zu Annäherungen zwischen den sich fremden Völkern kommt: Sie gehen miteinander um, ergänzen einander, unterstützen sich, können sich aber auch gefährlich werden.

Seine 13 Schauspieler, darunter Deutsche, Iraner, Syrer und syrische Kurden, fand Rathke über eine Annonce. Einige hatten auch das erste Stück gesehen, das die Art und Weise beschrieb, wie unsere Gesellschaft und die Medien mit Geflüchteten umgehen. In einem Quiz konkurrierten da Geflüchtete mit ihrer persönlichen Geschichte um den Erhalt eines deutschen Passes: je härter die Geschichte, desto mehr Punkte. Da ging es auch um sexuelle Gewalt und Folter. „Einige Zuschauer waren schockiert, die Mehrheit aber begeistert“, erinnert sich Rathke an die große Resonanz 2018.

Das neue Stück „Überlebende im All“, das er wieder selbst geschrieben hat, sei nicht so drastisch, sprachlich aber sehr anspruchsvoll. Die Proben begannen bereits vor einem Jahr in den Räumen der Hans-Christian-Andersen-Stadtteilschule in Kiel-Gaarden.

„Überlebende im All“ entstand auf Initiative und mit tätiger organisatorischer Hilfe von Magdalena Wassink, Koordinatorin für Integration und Teilhabe des Kreises Plön. „Es ist ehrenamtlich, auf Augenhöhe, integrativ und damit ein großartiges Projekt“, sagt sie. Schon das erste Stück habe alle weggepustet, nichts anderes erwarte sie für das neue. kib

Der Eintritt ist frei, eine Spendendose für das Ensemble wird bereitstehen. Aufgrund der begrenzten Platzzahl wird um Anmeldung per E-Mail an integration@kreis-ploen.de gebeten.