Wo Hightech auf Enthusiasten trifft

Eduard Thomas (v.li.), seine Frau Berit und Markus Schack prägen das Kieler Planetarium seit den 1980er-Jahren. Foto: kstEduard Thomas (v.li.), seine Frau Berit und Markus Schack prägen das Kieler Planetarium seit den 1980er-Jahren.

Jubiläum: 1969 fing der Mediendom als Planetarium im Knooper Weg an

Kiel. Das Kieler Planetarium, das heute als „Mediendom“ zur Fachhochschule Kiel gehört, wird 50 Jahre alt. In der Jubiläumswoche vom 6. bis 13. Januar zeigt der Mediendom darum zum Sonderpreis von je 5 Euro Eintritt 25 zum Teil international erfolgreiche und premierte Produktionen, an denen das Team vom Mediendom direkt mitgewirkt hat.

Mit einem Zeiss-Sternenprojektor aus dem Zweiten Weltkrieg fing es an. Ursprünglich für den Einsatz in Schulen gedacht, wurden Geräte dieses Typs in den 1930er-Jahren im Zuge der Kriegsvorbereitungen umkonstruiert und für die Navigationsausbildung von militärischen Flugzeugbesatzungen gebaut. Das Kieler Gerät kam wahrscheinlich in den letzten Kriegstagen per Schiff aus Polen nach Flensburg, wo es in zum Teil beschädigten Einzelteilen eingelagert wurde. Zum Wiederaufbau der zerbombten Ingenieursschule im Knooper Weg in Kiel kamen die Einzelteile 1947 dort hin und wurden in den folgenden beiden Jahrzehnten von ehrenamtlichen Helfern repariert, restauriert und wieder zu einem funktionstüchtigen Planetariumsprojektor zusammengebaut. Am 6. Januar 1969 feierte das Kieler Planetarium auf dem Dach der damaligen Ingenieursschule, der Vorläuferin der heutigen Fachhochschule, Einweihung.


Seit damals hat sich viel verändert. Anfangs begeisterte der damalige Kieler Oberstudienrat Werner Mewes vor allem Schulklassen in der kleinen Sechs-Meter-Kuppel des Planetariums, wenn er den Sternenhimmel und kosmische Phänomene erklärte. Mewes begeisterte noch ohne zusätzliche Technik vor allem mit seiner Persönlichkeit. Dagegen ist der heutige Mediendom ein von leistungsstarken Computern getriebenes High-Tech-Medienlabor, das in seiner Neun-Meter-Kuppel beliebige virtuelle Wirklichkeiten und Räume erschaffen kann und transparenten 3D-Sound bietet.


Den Wechsel von reinen Astronomieveranstaltungen hin zu Multimedia-Shows, die nicht länger nur für Schulklassen gedacht waren, leitete in den 1980er-Jahren der heutige Mediendom-Direktor Eduard Thomas ein, der damals erste Vorführungen übernahm. Thomas war einer der begeisterten Enthusiasten, die von Anfang an das Planetarium mit immer neuen Ideen und Projekten weiter voran brachten und es bis heute tun. Die ersten Multimedia-Elemente waren Diaprojektoren, deren Bilder über Rasierspiegel in die Kuppel gelenkt wurden, um zum Beispiel Geschichten zu den Sternbildern mit Abbildungen auf alten Griechischen Vasen in Verbindung zu bringen. Nach einer Asbestsanierung und Neuausstattung unter anderem mit einem Bildplattenspieler und einem leistungsstarken Amiga-3000-Computer wurde das Planetarium 1993 als modernstes Kleinplanetarium Deutschlands wiedereröffnet. Der nächste Riesenschritt war der Umzug der Fachhochschule auf das Kieler Ostufer. Das Planetarium wurde dort unter einem Hörsaalgebäude mit einer größeren Neun-Meter-Kuppel neu gebaut und mit dem damals revolutionär neuen volldigitalen Projektionssystem „Digistar“ ausgestattet, das ganz ohne optischen Sternenprojektor auskommt. Als das Planetarium unter dem Namen „Mediendom“ dort 2003 eröffnet wurde, war es das modernste Kleinplanetarium Europas.

Seitdem haben viele kreative Enthusiasten die technischen Möglichkeiten genutzt, um ganz verschiedene Projekte im Mediendom umzusetzen. Zu den besonders erfolgreichen gehörte 2011 „Lars Eisbär“ nach den Büchern von Hans de Beer – eine Show, die den Klimawandel thematisierte. Das Mediendom-Team hat inzwischen mit der ESA zusammengearbeitet, mit preisgekrönten Designern, Balletttänzern, Schauspielern und Musikern. Eine Hauptrolle spielt aber nach wie vor, auf dem immer aktuellen Stand der Wissenschaft die Schönheit des Alls zu vermitteln.kst
Mediendom der Fachhochschule Kiel, Sokratesplatz 6, Kiel. Infos zum Programm und der Jubiläumsreihe unter www.mediendom.de