Sehr zerbrechlich und weltweit bedeutend – Nach 70 Jahren ist die Fabricius-Sammlung zurück im Zoologischen Museum

Foto: kst, Uralt, aber bestens in Form präsentieren sich die ausgestellten Käfer unter der speziell entwickelten Beleuchtung der Vitrine.

Kiel. „Diese Tiere sehen aus, als wären sie gerade erst gestorben. Dabei sind sie über 200 Jahre alt“, sagt Professor Michael Kuhlmann mit Blick auf eine der neuen Vitrinen im Zoologischen Museum der Uni in Kiel. Unter dem Glas der Vitrine sind Käfer ausgestellt, die aus der weltweit bedeutenden Fabricius-Sammlung stammen. Jeder Käfer glänzt im Licht einer eigenen kleinen „Straßenlaterne“, deren Beleuchtung den hochempfindlichen uralten Käfern nicht schadet.

Die Fabricius-Sammlung ist etwas ganz Besonderes: Die Käfer und Krebse, die sie enthält, sind uralt. Der Kieler Zoologe Johann Christian Fabricius trug sie vor mehr als 200 Jahren zusammen, indem er gesammelte Exemplare von reisenden Forschern aus der ganzen Welt übernahm. Einige wurden auf der ersten Weltumsegelung von James Cook gesammelt, mit einem Schiff wie aus „Fluch der Karibik“. Einzelne Exemplare wurden auf Tahiti gefunden, gerade mal drei Jahre, nachdem Tahiti überhaupt entdeckt worden war. Die gesammelten Exemplare haben die jahrelange Seereise ebenso heil überstanden wie die Jahrhunderte danach – sogar die Bombenangriffe auf Kiel, bei denen das Zoologische Museum wie durch ein Wunder unversehrt blieb.

Nach dem Krieg war die wertvolle Sammlung rund 70 Jahre lang als Leihgabe im Naturkundemuseum der Universität Kopenhagen, weil die Möglichkeiten für ihre Unterbringung dort nach dem Krieg besser waren als in Kiel. In dieser Zeit ist sie dort sorgfältig überarbeitet und neu archiviert worden. Jetzt ist der Teil der Fabricius-Sammlung, der Käfer und Meereskrebse enthält, nach Kiel zurückgekehrt – insgesamt rund 11.000 Exemplare. Ein kleiner Teil davon ist im Rahmen der neuen Ausstellung „F. – Schatztruhe und Fenster in die Vergangenheit“ jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Rest wird unter konstanten Bedingungen und geschützt vor Vibrationen in speziellen Schränken im Keller des Museums aufbewahrt und steht der wissenschaftlichen Welt zur Verfügung. Das ist wichtig, denn eine Reihe der Tiere der Sammlung sind inzwischen ausgestorben, allein rund 3100 sind sogenannte „Typus-Exemplare“. Wenn es irgendwo auf der Welt eine Unsicherheit bei der Bestimmung eines ähnlichen Tieres gibt, dann gilt jeweils genau das Typus-Exemplar in Kiel als Referenz. „Ein Typus-Exemplar ist exakt das Käferexemplar, an dem diese Art zum ersten Mal beschrieben wurde“, erklärt Professor Michael Kuhlmann. Er ist vom Londoner Natural History Museum nach Kiel gekommen, um die Fabricius-Sammlung als Kurator zu hüten.

Neben zwei Vitrinen mit Krebsen und Käfern gehören zu der kleinen, aber feinen Ausstellung auch interaktive und multimediale Elemente, die den Besuchern noch mehr über die Käfer, die Sammlung und ihre Bedeutung verraten. kst

Zoologisches Museum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Hegewischstraße 2, Kiel. Öffnungszeiten: Di-Fr 9-17 Uhr, Sa 10-17 Uhr, So und feiertags 12-16 Uhr. Eintritt: 4 Euro, sechs bis 16 Jahre: 2 Euro. www.zoologisches-museum.uni-kiel.de