Poledance

Beim „Double Pole“ arbeiten zwei Sportlerinnen an einer Stange und stabilisieren sich gegenseitig. Hier probieren Lucia Hamm (oben) und Christina Amft unter Anleitung von Trainerin Steffi Meyer eine neue Figur. Foto kst

Kiel. Poledance – so ein kleines bisschen Verruchtheit steckt immer noch drin in diesem Wort. „Als ich meinen Freunden und Bekannten erzählte, dass ich das mache, habe ich schon auch Sprüche kassiert wie ,ha, ha, willst du dir ein zweites Standbein aufbauen?’“, erzählt Joane Franz. Doch damit kann die 42-Jährige umgehen. „Ich erzähle immer gleich, was es ist, nämlich vor allem Akrobatik und Fitness.“ Bei einem Schnupperkursus zum Junggesellinnenabschied lernte sie den Sport vor zwei Jahren kennen und blieb dabei. „Es ist ganz toll“, sagt sie.

„Pole“ heißt die Stange, die das Sportgerät ist. Und die Zahl derer, die Poledance als Sport entdecken, steigt. Miriam Dankert, Inhaberin von „Poledance!-Kiel Aerial & Fitness“, hat deswegen ihr Studio schon deutlich vergrößert. Nachdem sie selbst schon Sportarten wie Zumba, Hip-Hop, Bollywood, Burlesque und mehr ausprobiert hatte, lernte sie Poledance ebenfalls bei einem Schnupperkursus in Hamburg kennen. „Ich dachte sofort: Das fehlt in Kiel“, sagt sie. Im Januar 2015 eröffnete sie das erste Poledance-Studio in Kiel in Wittland. Im Herbst 2017 zog das Studio an den neuen Standort am Theodor-Heuss-Ring 124 in Kiel um und verdreifachte dabei seine Größe. 17 Stangen gibt es dort jetzt, und die Zahl derer, die in den zahlreichen verschiedenen Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen daran hängen, turnen und tanzen, gibt Miriam Dankert mit 270 an. Frauen und Mädchen aller Altersklassen von sechs bis über 60 und mit verschiedensten Vorkenntnissen und Körpermaßen sind dabei – von groß und schlank bis klein und abgerundet. Die meisten Poledancer sind Frauen zwischen 30 und 45 Jahren. „Und inzwischen haben wir auch drei Männer“, freut sich Miriam Dankert. 

Einer davon ist der 74-jährige Valentin Lazar, der gemeinsam mit seiner Frau Claudia (62) dabei ist. Im Fortgeschrittenenkursus hängt sich Valentin Lazar auch schon mal kopfüber an die Stange. Dass er dabei wie die Frauen im Saal sehr kurze Hosen trägt, gehört beim Poledance für den nötigen Hautkontakt zur Pole dazu. 

Ohne Hautkontakt zur Stange ist beim Poledance praktisch keine der akrobatischen Figuren möglich, und die Beine spielen bei den meisten Übungen eine Hauptrolle. Je schwieriger die Figur, desto mehr Hautkontakt ist aber auch an Armen und Oberkörper nötig – „je fortgeschrittener, desto nackiger“ überspitzt es Miriam Dankert und lacht. Trotzdem: Beachvolleyballerinnen sind eher noch knapper bekleidet. 

Beim Poledance und beim „Double Pole“, bei dem zwei Personen gemeinsam über die ganze Stangenhöhe ihre Figuren machen, ist die Stange so eingestellt, dass sie sich drehen kann, damit die Sportler um die Stange rotieren können. Anders ist das bei der Spielart „Exotic“, die eher an die Wurzeln des Poledance erinnert. Dabei ist die Stange fest, und die Tänzerinnen verlassen nicht den Boden. „Das darf auch gerne ein bisschen sexy sein, soll aber nicht billig wirken“, sagt Miriam Dankert. Deshalb tragen die Tänzerinnen beim „Exotic“ zu ihren 15-Zentimeter-Plateau-High-Heels auch keine superknappen Büxen, sondern Leggings.

Wer Poledance selbst ausprobieren möchte, bucht am besten einen der Schnupperkurse, die Poledance!-Kiel-Aerial & Fitness anbietet. Infos unter Tel. 0177/1561369 oder www.poledance-kiel.net