Luftfilter gegen Fahrverbote?

Zunächst steht der Purevento Luftreiniger nur für eine mehrtägige Testphase am Theodor-Heuss-Ring. Eine zweite mehrtägige Testphase soll im Frühjahr folgen. Foto: Jan Köster

Die Stadt Kiel testet eine Anlage am Theodor-Heuss-Ring

Kiel. Den möglichen Einsatz von Luftfilteranlagen am Theodor-Heuss-Ring, um Fahrverbote zu vermeiden, bezeichnet Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ausdrücklich als „Notlösung“, bis die Ursachen der hohen Schadstoffbelastung, vor allem die Abgasmengen von Autos, ausreichend reduziert sind. Genauso eine Notlösung testet die Stadt Kiel aktuell.

Ungefähr so groß wie ein ordentlicher Wohnwagen ist der mobile, elektrisch betriebene Luftreiniger, der seit dem vergangenen Mittwoch zunächst für eine Woche am Theodor-Heuss-Ring in Kiel steht. In den 4,8 Meter langen, 2,4 Meter breiten und 2,5 Meter hohen weißen Kasten hat die Trittauer Herstellerfirma Purevento eine zweistufige Filteranlage gebaut – eine Stufe hält Feinstaub zurück, eine weitere Aktivkohle-Filterstufe entfernt gasförmige Schadstoffe wie Stickoxide. Bis zu 40.000 Kubikmeter Luft saugt die Anlage pro Stunde ein und bläst sie gereinigt wieder aus. Das Gerät ist der Prototyp der Firma Purevento und zurzeit quasi auf Promotion-Tour. Um mögliche Auftraggeber zu finden, schickt der Hersteller sein Gerät durch verschiedene Kommunen. In Kiel steht der Reiniger während der Testphase kostenfrei. Während dieser Tage wollen Stadt und Hersteller erste Erfahrungen sammeln: Gehen von dem großen Kasten Gefahren aus? Immerhin ist an dieser Stelle am Theodor-Heuss-Ring so wenig Platz neben der Straße, dass die Anlage mitten auf dem Radweg stehen muss. Wie macht sie sich im Stadtbild? Wie laut ist sie im Betrieb? Zunächst soll die Anlage nur stundenweise tagsüber laufen.

Die wichtigste Frage ist aber: Was bringt die Anlage für die Senkung der Schadstoffbelastung der Luft am Theodor-Heuss-Ring? Das will die Stadt Kiel erforschen, wenn das Purevento-Gerät im Frühjahr für eine weitere mehrtägige Testphase nach Kiel zurückkommt. Vergleichsmessungen mit der in der Nähe gelegenen Messstelle des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sollen dann zeigen, was der Purevento-Luftreiniger leistet. Sollte die Stadt Kiel danach entscheiden, den besonders belasteten, knapp 200 Meter langen Bereich am Theodor-Heuss-Ring mit Luftfilteranlagen aus Trittau sauberer zu machen, könnte die Firma Purevento nach Angaben ihres Geschäftsführers Robert Krüger die Anlagen innerhalb von etwa vier bis sechs Monaten liefern. Für den gesamten Abschnitt empfiehlt Robert Krüger bis zu sechs Geräte. Ob die dann gekauft oder gemietet würden, ist noch völlig offen. Der Kaufpreis für ein Gerät läge bei etwa 80.000 Euro. Die Serienmodelle werden die Option bieten, sich durch durch Werbe-Einnahmen über eine integrierte LED-Fläche teilweise zu refinanzieren. kst