„Weil er zu mir passt“

Automobile Zeitgeschichte: Kurator Julian Freche (re.) erläuterte Besuchern die Ausstellung im Warleberger Hof. Foto: Thomas Eisenkrätzer

Plakate der Autowerbung aus der Nachkriegszeit im Warleberger Hof

Kiel. Sportlich, schnell, luxuriös, elegant, solide oder zweckmäßig – die Autoindustrie kreiert für jede Zielgruppe das passende Auto. Mit ausgefeilten Imagekampagnen und Marketingmaterialien spricht sie ihre Kundschaft an.

Der Warleberger Hof, Dänische Straße 19, zeigt noch bis zum 15. September in der Ausstellung „Weil er zu mir passt“ Plakate der Autowerbung aus der Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums.

Präsentiert wird eine Auswahl von Werbeplakaten aus der Nachkriegszeit bis 1990. Die Exponate sind nicht nur für Oldtimerfreunde aufschlussreich, sondern für alle stadt- und kulturhistorisch Interessierten. Anhand von mehr als 100 Plakaten, Broschüren und Fotos wird die Entwicklung der Autowerbung nachgezeichnet und aufgezeigt, wie „des Deutschen liebstes Kind“ im öffentlichen Raum präsentiert wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in Deutschland die Massenmotorisierung. Das Auto wurde für viele erschwinglich und entwickelte sich so zum Statussymbol. Es hat nicht nur den Verkehr maßgeblich beeinflusst, sondern auch zahlreiche Aspekte des Alltags radikal verändert. Es steht für Freiheit und Individualismus, denn anders als mit Massentransportmitteln wie der Eisenbahn können per Auto große Entfernungen ohne festgelegte Ankunfts- und Abfahrzeiten überwunden werden.

Wie keine andere Branche steht die Autoindustrie für den wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik nach 1945 und prägt auch die heutige Wirtschaft. Die Werbebudgets der Autohersteller sind riesig, Autowerbung ist allgegenwärtig.

Auch auf Kiel hatte die Massenmotorisierung starken Einfluss. So stieg die Zahl der Autos in der Landeshauptstadt von 20.000 im Jahr 1957 auf mehr als 100.000 im Jahr 1990 an. Kiel richtete sich im Sinne einer „autogerechten Stadt“ auf den Individualverkehr aus.

Die gezeigten Plakate reichen aus der Zeit, in der sich gezeichnete Plakate an eine elitäre Kundschaft richteten, über den Beginn der Fotoplakate in den 1960er-Jahren bis zur Werbung der 1990er-Jahre. In all diesen Jahren sprach die Autowerbung vor allem Männer an – Frauen waren allenfalls schmückendes Beiwerk in den Kampagnen.

In Sprache, Stil und Inhalt der Plakate spiegelt sich auch immer etwas von der jeweiligen Zeit wider. Wie die Werbe- und Konsumkritik, die mit der 1968er-Bewegung entstand, die Ölkrise 1973 oder das aufkommende Umweltbewusstein.

Untrennbar mit dem Auto verbunden sind die Autohändler, die als Gesicht der großen Konzerne fungieren. Viele Plakate wurden in der Nähe der Händler oder direkt im Autohaus platziert, um die potenzielle Kundschaft direkt ansprechen zu können. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Autohäuser noch eher klein und rund um das Sophienblatt konzentriert, wo aufgrund der Kriegszerstörungen Platz vorhanden war. Mit dem Umzug an die „Automeile“ in der Eckernförder Straße wurden die Verkaufsräume größer und repräsentativer, um die Autos angemessen präsentieren zu können. Außerdem fanden Gebrauchtwagenschauen in der damaligen Ostseehalle statt, bei denen die Händler zentral zusammenkamen, um den Autokauf öffentlichkeitswirksam zelebrieren zu können.

Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum Warleberger Hof, Dänische Straße 19. Tel. 0431/9013425. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr. Eintritt frei. Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm. Infos dazu unter www.kiel-museum.de