Urban Gardening im Rollstuhl

Gemeinsam mit Betreuern setzten Beschäftigte der Ottendorfer Werk- und Betreuungsstätte für Körperbehinderte die ersten Pflanzen in die rollstuhltauglichen Hochbeete. Foto: kst

In Kiel stehen die wohl ersten rollstuhltauglichen Hochbeete Deutschlands

Kiel. Vielleicht sind sie wirklich bundesweit neu, die Hochbeete für Rollstuhlfahrer, die seit vergangener Woche im Kieler Walkerdamm stehen. „Soweit ich weiß, gibt es solche Hochbeete hier bundesweit erstmalig“, sagte Reiner Peters, Landschaftsarchitekt beim Kieler Grünflächenamt, bei der offiziellen Erstbepflanzung vor wenigen Tagen. Die Besonderheiten dieser Beete sind ihre Maße und die Vertiefung an einer Seite, die es ermöglichen, mit einem Rollstuhl so weit unter das Beet zu fahren, dass man bequem mit den Händen im Beet arbeiten kann. Gedacht sind sie vor allem für die Beschäftigten im Seniorenalter der Werk- und Betreuungsstätte für Körperbehinderte in Ottendorf (WuB). Am Walkerdamm in Kiel betreibt die WuB die „Tagesstruktur“ – eine Einrichtung, in der die behinderten Menschen betreut werden, die quasi in Rente sind, also altersbedingt nicht mehr in den Werkstätten arbeiten können.

Den Anschub gab Tagesstruktur-Leiterin Edda Albertsen. Sie wollte die eher schmuddelige Grünfläche direkt vor der Einrichtung für ihre Beschäftigten zum Gärtnern in der Stadt nutzen, zum „Urban Gardening“ also. Das Grünflächenamt lehnte das zunächst ab, aber als die Kieler Uni kurz danach mit einer Anfrage zum Urban Gardening an die Stadt herantrat, kam die Sache doch ins Rollen.

Im Rahmen eines interdisziplinären Seminars zum Urban Gardening setzten sich zehn Studenten gemeinsam mit Reiner Peters und der WuB an die Entwicklung von Ideen zum Gärtnern auf der rund 4 mal 4,5 Meter großen Fläche vor der „Tagesstruktur“. Das Ergebnis waren die jetzt aufgestellten drei Hochbeete mit Unterfahrmöglichkeit, die die Studenten in der „Werk statt Konsum“ in der Alten Mu’ unter fachlicher Anleitung bauten. Zusätzlich zu den drei Beeten soll noch eine Bank aufgestellt werden, auf der Betreuer der gärtnernden Rollstuhlfahrer sitzen können, oder auch Passanten, die in der kleinen grünen Oase kurz verschnaufen wollen. Die Holzflächen der Hochbeete werden noch mit Grafitti gestaltet.

Während die ersten Beschäftigten der „Tagesstruktur“ gemeinsam mit Betreuern erste Pflanzen in die Erde brachten, zeigte sich auch WuB-Geschäftsführer Andreas Borck hocherfreut über das Ergebnis. „Vielleicht könnte man diese Beete ja offiziell ,Kieler Beete’ taufen“, regte er an. kst