Streiflichter des Lebens

Ausdrucksstark: Das Integrative Theater Kiel probt im Werftparktheater eine Szene für die Premiere der Collage „Ausnahme und gut“. Foto: göd

Premiere beim Integrativen Theater im Kieler Werftpark

Kiel. In der Regel steht erst das Stück fest, und dann werden die Rollen verteilt. Das ist beim Integrativen Theater Kiel anders. Hier stehen erst die Darsteller fest, und dann entwickelt sich das Stück. „Ausnahme und gut“ heißt die Collage, die am heutigen Sonnabend, 29. Juni, Premiere hat.

Zehn Spieler im Alter von 18 Jahren bis Mitte 50 mit und ohne Handicaps haben acht Monate lang einmal wöchentlich geprobt. Außerdem standen neun intensive Wochenenden auf dem Programm. „Improvisatorische Momente sind bei den Proben sehr wichtig“, sagt die Leiterin Raija Ehlers, die vor 16 Jahren dieses Theater ins Leben gerufen hat. Das Ergebnis entstehe nach und nach. „Jeder Spieler schöpft aus seinem Erfahrungsschatz.“ Die Darbietung wirke authentisch, ohne dass private Geschichten erzählt würden.

„Es sind dichte Situationen zwischen den Spielern entstanden“, erläutert die erfahrene Theaterpädagogin. Ihre Aufgabe sieht sie darin, die „Rohdiamanten“ in eine Form zu bringen und dennoch deren Eigenheiten nicht zu verändern. „Die Spieler haben großartige Sätze gesagt, die ich in der Bühnenfassung als Original-Töne aufgenommen habe.“

Es geht um die Themen Einsamkeit, Liebe, Schmerz und Ausnahmen. Entstanden sind „Streiflichter“ zu verschiedenen Aspekten. „Zwischen ihnen besteht ein unsichtbarer Zusammenhang“, erklärt Ehlers.

Nach einem Aufruf im vergangenen Jahr haben sich Menschen gemeldet, die mitmachen wollten. Sie hatten die Gelegenheit, einen Monat lang an Schnupperproben teilzunehmen. Erst dann haben beide Seiten entschieden, ob die Bedingungen passen. „Die Spieler verpflichten sich, acht Monate lang regelmäßig zu erscheinen und keinen Urlaub zu machen“, sagt Ehlers. Denn es komme auf jeden einzelnen Spieler an, der dem Stück seinen Stempel aufdrücke.

„Es ist wichtig, in jeder Szene aufmerksam zu sein“, sagt Antje Haase. „Wir müssen die Abläufe im Kopf haben und uns viel merken, doch das übt sich ein.“ Die 30-Jährige spielt die Tierschützerin Gretchen. Auch sie selbst habe viel für die Natur übrig. „Ich finde es toll, auf der Bühne zu stehen“, merkt sie an. Ein Jahr jünger als sie ist Dominik Schwieger, der zum fünften Mal am Projekt teilnimmt. Er ist in der Rolle des belesenen Künstlers Leon zu sehen, dem Einsamkeit verhasst ist. „Beim Spielen kommt es auf Disziplin, Freude, Engagement und Spannung an“, meint er.

Träger des Integrativen Theaters ist der Verein „Neue Arbeit – Neue Kultur Kiel“. Die Projekte werden hauptsächlich durch die Kulturförderung der Stadt Kiel finanziert. göd

„Ausnahme und gut“, Theater im Werftpark, Ostring 187a. Sonnabend, 29., und Sonntag, 30. Juni, Dienstag, 2., und Mittwoch, 3. Juli, jeweils 18 Uhr. Vvk unter Tel. 0431/901901 oder www.theater-kiel.de