Segeln in der Luft

Erstmalig zur Kieler Woche fliegen auch die „Motten“ über die Regattabahn. Sie starten gemeinsam mit den Waszp-Booten in der neuen Klasse „One-Person-Foiling-Dinghy“. Foto: privat

Spektakulär: die Tragflächenboot-Typen Moth und Waszp

Kiel. „Es macht süchtig“, beschreibt Segler Max Lutz kurz und trocken das Gefühl, wenn er mit seinem Boot abhebt und über das Wasser fliegt. Fliegen beim Segeln? Geht nicht! Geht doch! Und zwar mit den foilenden Bootsklassen Moth und Waszp, die in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Kieler Woche starten.

„Foilen“, das Wort ist in der Wassersportszene seit einigen Jahren in aller Munde. Doch was bedeutet es eigentlich? „Hinter dem Begriff ,Foilen’ steht die Idee, dass man mit Hilfe von Tragflächen unter Wasser den Bootsrumpf aus dem Wasser hebt, damit den Widerstand des Bootes reduziert und beim Segeln hohe Geschwindigkeiten erreicht“, erklärt der Moth-Segler den technischen Aspekt. Die Idee an sich ist nicht neu im Schiffbau. Bereits um das Jahr 1900 wurden die ersten Tragflügelboote gebaut. „Am Gardasee gibt es zum Beispiel Tragflächen-Fähren. Die funktionieren nach dem gleichen Prinzip“, so Max Lutz.

Auch seine Bootsklasse, die „International Moth“ oder Motte wie sie in Deutschland genannt wird, gibt es bereits seit Beginn der 1930er-Jahre und wurde im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt. Doch erst der America’s Cup von 2017, bei dem foilende Riesen-Katamarane an den Start gingen, löste einen Foiling-Hype im Wassersport aus. „Mittlerweile foilen alle: Segler, Windsurfer, Kite-Surfer, Wellenreiter…“, weiß Max Lutz. Er selber ist vor zwei Jahren zum Moth-Segeln gekommen, vorher war er im 49er unterwegs: „Ich habe das Foilen einmal ausprobiert und wusste sofort: So ein Boot brauche ich auch!“ Denn das Fliegen auf dem Wasser machte ihn süchtig. Rund 30 Knoten, also 55 Stundenkilometer, schnell kann eine Motte werden. Bereits bei relativ leichten Windgeschwindigkeiten von etwa sieben Knoten (drei Beaufort) kommen die 3,35 Meter langen, 2,25 Meter breiten und zwischen 30 und 40 Kilo leichten Boote aus dem Wasser.

Für den perfekten Trimm muss nicht nur das Segel gut eingestellt, sondern auch die Klappen an den Tragflügeln richtig bedient werden. „Die Tragflügel an Schwert und Ruder mit ihren Klappen funktionieren wie bei einem Flugzeug, mit dem Unterschied, dass sie von Wasser und nicht von Luft umströmt werden“, erklärt Max Lutz. Während die Klappe am Schwert automatisch durch einen Fühler am Bug des Bootes gesteuert wird, muss der Segler den Flügel am Ruder selbst bedienen. „Damit bekommt das Segeln eine neue Dimension“, schwärmt Max Lutz.

Von heute an bis zum kommenden Dienstag geht der 29-jährige Schleswig-Holsteiner, der für den Kieler Yacht-Club segelt, gemeinsam mit rund 20 weiteren Moth- und Waszp-Seglern in der neuen Kieler-Woche-Klasse „One-Person-Foiling-Dinghy“ an den Start. „Ich freue mich sehr, dass wir bei der Kieler Woche dabei sein dürfen und hoffe, die Klasse etabliert sich, damit wir im kommenden Jahr ein noch größeres Feld zusammenbekommen.“ Gesegelt wird in der Strander Bucht, sodass die fliegenden Boote auch von Land aus, zumindest mit einem Fernglas, zu sehen sind.kae