Sechseckbau teilweise gesperrt

Seit über 50 Jahren eine Institution in der Kulturlandschaft Kiels: der Sechseckbau mit seiner Studiobühne. Foto: Studentenwerk SH

Traditionsgebäude bei brandschutztechnischer Prüfung durchgefallen

Kiel. Seit 1966 bot der Sechseckbau an der Uni Kiel mit seiner Studiobühne und seinem rund 100 Sitzplätze umfassenden Zuschauersaal theaterbegeisterten Studenten die Möglichkeit, Theaterstücke semiprofessionell zu inszenieren und vor Publikum aufzuführen. Auch weitere studentische Kulturveranstaltungen, wie Lesungen, Konzerte, Hörspiel- und Filmabende sowie Workshops fanden hier regelmäßig statt. Nun ist der Betrieb vorerst auf Eis gelegt. Der Theaterbereich darf nicht mehr betreten werden.

„Es hat sowohl uns als auch die Studierenden völlig unvorbereitet getroffen“, beschreibt Studentenwerk-Geschäftsführerin Susann Schrader die aktuelle Situation. „Der Sechseckbau ist das Herzstück unserer studentischen Kulturarbeit, und wir bedauern die Schließung des Theaters sehr. Auch werden sicher viele Kielerinnen und Kieler die Besuche im Sechseckbau vermissen.“ Die Sicherheit der Studenten und Gäste sei jedoch nicht mehr gewährleistet, und die stehe für Schrader an erster Stelle.

Bei einer brandschutztechnischen Prüfung Anfang September hatte die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) erhebliche Mängel festgestellt. Unter anderem aufgrund defekter Rettungswegkennzeichen und einer fehlenden Brandmeldeanlage empfahl die GMSH die Schließung der Obergeschosse sowie des Garderobenbereichs im Kellergeschoss. Dieser Empfehlung kam das Studentenwerk umgehend nach. Der Infopoint und das Café im Erdgeschoss können gefahrlos weiterbetrieben werden.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass es mit Einzelmaßnahmen nicht getan ist. Die Geschäftsführerin befürchtet, dass die Sanierung inklusive Bestandsaufnahme, Konzepterstellung, Absprache mit dem Denkmalamt, Aufbringung der Kosten, Ausschreibungen und Bautätigkeiten drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen wird. Besonders die Finanzierung sei ein Knackpunkt.

Zurzeit arbeitet das Studentenwerk an einer Übergangslösung. Im Großen Speisesaal im ersten Obergeschoss der Mensa I am Westring soll in den nächsten zwei Wochen eine sieben mal sechs Meter große Ersatzbühne aufgebaut werden. „Es steht dann zwar weniger Platz für Mensagäste und externe Veranstaltungen zur Verfügung“, sagt Schrader, „aber es gibt keine andere Möglichkeit. Studentische Kulturarbeit gehört genauso wie Essen, BAföG, Wohnen und Beratung zu unseren zentralen Aufgaben und muss aufrechterhalten werden.“

Das für Ende Oktober/Anfang November geplante Theaterstück „Radio Nightmare“ muss aufgrund der kurzfristigen Schließung des Theatersaals im Sechseckbau und der fehlenden Probenmöglichkeit vorerst ausfallen, wird jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Der für den 18. Oktober ab 20 Uhr geplante Improtheater-Abend sowie alle nachfolgenden Veranstaltungen, inklusive des diesjährigen Weihnachtsmärchens, müssen auf der Ersatzbühne im Großen Saal stattfinden.