Schnelle Hilfe für „Speedy“

Dank dem neuen Smartboard können die Mitglieder der Speedy-Redaktion jetzt gemeinsam zum Beispiel am Layout ihrer Schülerzeitung arbeiten. Foto: Jan Köster

„Arbeit für Behinderte“ verhilft Ellerbeker Schülerzeitung zu einem Smartboard

Kiel. Die Schülerzeitung „Speedy“ der Ellerbeker Schule, Förderzentrum geistige Entwicklung und Grundschule, hat beim schleswig-holsteinischen Schülerzeitungswettbewerb eine Auszeichnung erhalten. Die Urkunde vom Februar dieses Jahres hängt im Redaktionsraum an der Wand, gleich neben dem nagelneuen Smartboard, das die Schule dank einer 6600-Euro-Spende des Vereins „Arbeit für Behinderte“ gerade erst neu anschaffen konnte.

Im inklusiven Redaktionsteam von Speedy arbeiten Drittklässler der Grundschule und Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren vom Förderzentrum der Schule zusammen. Am großen Smartboard, das quasi ein Tablet-PC in der Größe einer Schultafel ist, können die Jung-Redakteure jetzt deutlich besser als bisher gemeinsam zum Beispiel das Layout für die Titelseite entwerfen, Änderungen ausprobieren und diskutieren. Dadurch lernen die Kinder und Jugendlichen auch gleich, vor einer Gruppe zu stehen und ihre Ideen vorzustellen. Ein Großteil der Redaktionsarbeit erfolgt auf den anderen Rechnern im Raum, der gleichzeitig der Computerraum der Schule ist. Der Weg der Dateien vom einzelnen Rechner auf das Smartboard führt über das „i-Serve“-Schulnetz – auch den Umgang damit lernen die Schüler im Rahmen ihrer Arbeit an Speedy.

Der Verein „Arbeit für Behinderte“ wurde 1992 von einer Gruppe von Gewerkschaftern gegründet, die aus ihrer täglichen Arbeit wussten, dass Menschen mit einem Handicap der Zugang zu einem Arbeitsprozess oft schon deshalb verschlossen ist, weil es an irgendwelchen Hilfsmitteln fehlt, die niemand bezahlen will. Genau da setzt der inzwischen rund 200 Mitglieder starke Verein auch heute noch an. Ohne viel Tamtam, ganz unbürokratisch und direkt, hilft der Verein, wenn alle Möglichkeiten der öffentlichen Stellen ausgeschöpft sind. Der Verein ist bestens vernetzt. Zu den Mitgliedern zählen neben der ehemaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und alle seine Vorgänger in diesem Amt sowie alle ehemaligen und aktuellen Vorsitzenden der Kieler Einzelgewerkschaften und viele Betriebsrats- und Personalratsvorsitzenden schleswig-holsteiner Betriebe. „Bis heute haben wir rund 400.000 Euro ausgeschüttet und das alles nur aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden“, sagt der 1. Vorsitzende des Vereins, Jürgen Müller. Der Verein hilft bei der Anschaffung von Software und behindertengerechten Schreibtischen und gibt auch mal Geld für einen Führerschein dazu, damit ein Mensch mit Behinderung einen in Aussicht stehenden Arbeitsplatz auch erreichen kann. Der Verein organisiert mithilfe von Firmen wie NGK aus Kiel Praktikumsangebote, unterstützt Schulprojekte wie Speedy, die jungen Menschen mit Behinderungen helfen, sich zu behaupten und vieles mehr. Um den aktuellen Kriterien politisch korrekter Ausdrucksweise gerecht zu werden, hat sich der Verein „Arbeit für Behinderte“ gerade erst umbenannt: Künftig werden die Aktiven ihre Arbeit unter dem Namen „Arbeit für Menschen mit Behinderung“ leisten. kst