Schätze, die kaum jemand sieht

Auch verschiedenste Requisiten aus zahlreichen Theaterstücken stehen und liegen in den Regalen des Museums. Foto: Katharina Schönherr

Über 100 Jahre Theatergeschichte gesammelt auf kleinstem Raum

Kiel-Dietrichsdorf. Ist der Vorhang gefallen, bleibt nichts von einem Theaterabend übrig als die Erinnerung derer, die dabei waren.

Dem Vergessen entgegenwirken und das kulturelle Erbe der Stadt Kiel bewahren – das hat sich das Theatermuseum Kiel zur Aufgabe gemacht. Seit seiner Gründung im Jahr 2004 unter Mitwirkung der inzwischen verstorbenen Kieler Kammerschauspielerin Rosemarie Kilian sammelt der Verein sowohl Daten des lokalen Theaterlebens als auch Relikte aus längst vergangenen Aufführungen.

„Es ist unendlich schwierig, aus den Anfängen des Theaters alle Materialien zu bekommen“, so Vorstandsmitglied Karin Neumann, die seit 2006 für das Archiv zuständig ist. „Viele Daten aus den Jahren vor 1945 wurden im Krieg zerstört, dennoch versuchen wir fortlaufend, über 100 Jahre Kieler Theatergeschichte zu rekonstruieren.“ Gerne wird dabei auch auf private Sammlungen zurückgegriffen, die Theaterliebhaber über Generationen hinweg zusammengetragen haben. Neben liebevoll gestalteten Alben mit Fotografien, Programmheften und Zeitungsausschnitten kommen dabei manchmal auch echte Raritäten zum Vorschein. Ein neuentdeckter Schatz sind beispielsweise Theaterfotografien, die auf die 1920er-Jahre datiert sind und den Begründer der Niederdeutschen Bühne, Otto Mensing, zeigen. „Es ist schön, wenn Menschen, die mit Theater zu tun haben, an uns denken und uns ihre Sammlungen überlassen“, freut sich Siegfried Jacobs, ehemals selbst Schauspieler und Vorsitzender des Theatermuseums.

Neben der umfassenden Datensammlung, die sämtliche Kieler Inszenierungen seit 1907 nebst Schauspielern und Rollen beinhaltet, ist der Verein besonders stolz auf seine umfangreiche Objektsammlung: 8000 Szenenfotos, 20.000 Programmhefte, 70 Bühnenbildmodelle, 50 Kostüme, unzählige Plakate, Presseberichte und vieles Weitere wurden in den vergangenen Jahren durch die Mitglieder des Vereins, Leihgaben der Universität zu Kiel und private Spenden zusammengetragen.

Eine Dauerausstellung der zahlreichen Objekte ist derzeit jedoch nicht möglich, da hierfür schlicht der Platz fehlt. Das rund 20-köpfige ehrenamtliche Team katalogisiert, dokumentiert und verwaltet ihre Sammlung momentan in einem provisorischen Archiv in Dietrichsdorf. Ordner mit Fotografien, Bühnenbildentwürfe und Bücher von A wie Hans Albers bis Z wie Carl Zuckmayer stapeln sich bis unter die Decke der kleinen Räume, Platz für Publikumsverkehr ist da nicht.

„Um nachhaltig das kulturelle Erbe der Stadt zu verwalten, wären größere Räume gut“, betont Jacobs. Doch die finanziellen Mittel sind begrenzt, und eine Vergrößerung ist nur in Kooperation mit der Stadt möglich. Die Stadt Kiel stellt bereits die jetzigen Räume zur Verfügung und bezuschusst den Verein jährlich.

Ausstellungen sind aufgrund der räumlichen Situation vorerst weiterhin nur in Kooperation mit anderen Einrichtungen außerhalb der Archivräume umsetzbar. So konnte das Theatermuseum in den vergangenen zwölf Jahren acht große Ausstellungen eröffnen, unter anderem im Jahr 2007 anlässlich des 100. Geburtstags des Theaters am Kleinen Kiel in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek.

Seit dem Jahr 2005 werden außerdem dauerhaft vier Schaukästen im Foyer des Kieler Schauspielhauses durch das Theatermuseum Kiel bestückt. Zu wechselnden Themen werden dann verschiedene Objekte der Sammlung präsentiert und historische Hintergründe zu den aufgeführten Theaterstücken erläutert.

Darüber hinaus präsentiert sich der Verein regelmäßig in unterschiedlichen Lesungen, theaterpädagogischen Projekten oder Publikationen zu verschiedenen Themen und zeigt so, dass ein Museum nicht immer nur ein Ort sein muss, sondern auch eine Idee und die vereinte Liebe zur Kunst sein kann. kms