Permafrost-Express:

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Zugfahrt zur kältesten Stadt der Welt

1.200 Kilometer rollt der Permafrost-Express durch den Norden Russlands, mitten durch Sibirien, bis zur kältesten Stadt der Welt – Jakutsk. Die Stadt war zuvor für Reisende nur schwer erreichbar. Ratternde Waggons, eingemummelt in warme Sachen und mit einem Gläschen Wodka in der Hand – so romantisch malen wir uns das aus: Eine Zugreise durch Russland gilt noch immer als eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit. Dieses Abenteuer führt mit dem Permafrost-Express seit dem 27. Juli in eine der entlegensten und am dünnsten besiedelten Regionen des Landes.

Von Moskau nach Jakutsk: Permafrost-Express erweitert Transsib

Die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn startet in Moskau und endet in Wladiwostok. Parallel dazu läuft die Baikal-Amur-Magistrale (BAM), mit Abzweigung ab Taischet oberhalb des Baikalsees. Beide enden im Osten an der Pazifikküste Russlands, in nördlichere Regionen kämpfen sie sich nicht vor. Mit dem Permafrost-Express können Reisende jedoch fortan durch das Herz Sibiriens Richtung Jakutien fahren. Er startet in Tynda, einer Stadt, die auch von der BAM passiert wird. Von dort geht es, teilweise entlang der Lena, zur kältesten Stadt der Welt: Jakutsk. Daher auch der Name: Denn die rund 270.000 Einwohner von Jakutsk leben im Permafrost. Der Boden ist das ganze Jahr über durchgefroren. Unter anderem das machte den Ausbau der Strecke zu einer Herausforderung – ganze 900 Kilometer von insgesamt 1.200 führen die Gleise über den Dauerfrostboden, das berichtet die „Siberian Times“. Dauerfrostboden und bis zu minus 60 Grad Celsius in Jakutsk.

Jakutien ist die kälteste Region Russlands, das Thermometer fällt hier auf bis zu 60 Grad minus. Wobei es durchschnittlich in Jakutsk minus zehn Grad kalt ist. Verrückt: Im Sommer klettern die Temperaturen auf über 20 Grad plus. Zuvor erreichten Touristen den Ort am schnellsten mit dem Flugzeug von Moskau – hinführende Straßen sollen teilweise unbefahrbar gewesen sein. Deutlich gemütlicher ist dann der Blick aus dem Zug auf die sibirische Landschaft. Von Tynda verlaufen die Schienen nach Tommot, einer Stadt am Aldan-Fluss. Weiter in noch ländlichere Regionen um Verkhnyaya Amga überquert der Express den Fluss Amga und nimmt dann Kurs auf Jakutsk.

Endstation: Nischni Bestjach (Nizhny Bestyakh) an der Lena. Inoffiziell wird diese Strecke auch die Amur-Jakutische Magistrale genannt, die die BAM und die Transsib mit dem Süden der Republik Sacha (Jakutien) verbindet. An diesem Großprojekt wurde bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts gearbeitet. Zugreise von Deutschland nach New York in Zukunft möglich? Für die Reise sollte rechtzeitig an das Beantragen des Visums gedacht werden. Zugegeben, in Jakutsk selbst gibt es nicht so viel zu erleben – unter anderem ein Mammut-Museum. Aber: Nach einem Bericht des „Lonely Planet“ soll es Gespräche darüber geben, die Linie über die Beringstraße nach Alaska zu erweitern. Diese Zukunftsvision würde bedeuten, dass Reisende theoretisch von Deutschland nach New York mit dem Zug statt mit dem Flieger gelangen könnten.