Örtchen für kleine Geschäfte

Fast wie in Hamburg: Ein ähnliches Modell wie das neue Kieler Steh-WC hat sich vor dem Hamburger Hauptbahnhof bereits bewährt. Foto: kst

Am Kieler Bahnhof treten weitere Maßnahmen für mehr Sauberkeit in Kraft

Kiel. Innen grün und außen Beton: Mit einem neuen kostenlosen Steh-WC will die Stadt Kiel das Problem von stinkenden Ecken durch Wildpinkler am Kieler Bahnhof entschärfen. Zusätzlich setzt die Stadt Sozialarbeiter und den neuen kommunalen Ordnungsdienst ein, um auf den Bereichen um den Bahnhof für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Nach Angaben der Stadt hat es in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden von Kielern und Gästen über fehlende Sauberkeit, Belästigungen, öffentliches Urinieren und auch über lange vor sich hin rostende Fahrräder am Bahnhof gegeben. Damit der Bahnhofsplatz auf Dauer sauberer und sicherer wird, hat Oberbürgermeister Ulf Kämpfer 2017 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Seitdem arbeiten Stadt, Deutsche Bahn, Gewerbetreibende um den Bahnhof und Polizei eng zusammen. Die jetzt neuen Maßnahmen sind Ergebnisse dieser Zusammenarbeit.

Grund für Beschwerden liefern immer wieder auch zum Teil wohnungslose Menschen, die einen Teil ihres Tages auf dem Bahnhofsvorplatz verbringen, darunter regelmäßig auch offensichtlich angetrunkene Personen, von denen sich manche Bahnreisende offenbar belästigt fühlen. Um das Problem zu entschärfen, setzt die Stadt jetzt zwei Sozialarbeiter ein. Till Bortels und eine Kollegin, die im April ihre Arbeit aufnimmt, werden im Rahmen einer „aufsuchenden Sozialarbeit“ immer wieder auf dem Bahnhofsvorplatz unterwegs sein, um mit den Menschen dort in Kontakt zu kommen, zu vermitteln und ihnen bei Bedarf Hilfe anzubieten. Es sei ausdrücklich nicht das Ziel der Stadt, diese Menschen einfach vom Bahnhofsvorplatz zu vergraulen, betonte Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer. Allerdings werden ab Mai auch Angehörige des kommunalen Ordnungsdienstes auf dem Bahnhof-Vorfeld patrouillieren. Die insgesamt 18 Männer und Frauen des neuen städtischen Ordnungsdienstes haben ihre Ausbildung im Herbst 2018 begonnen und werden im Mai ihren Dienst antreten. Sie sind keine Polizisten und unbewaffnet, aber sie dürfen Personen anhalten und durchsuchen sowie Platzverweise aussprechen und durchsetzen.

Für mehr Sauberkeit sorgen bereits regelmäßige von der Arbeitsgruppe ins Leben gerufene Reinigungsaktionen am Bahnhof, darunter auch Nassreinigungen mit einem speziellen Fahrzeug, die etwa alle 14 Tage erfolgen. Gegen das Wildpinkeln an die Bahnhofswand oder in der Treppenhausecke am Bahnhofsgebäude soll nun das neue, 72.000 Euro teure Pissoir helfen. Ein ähnliches Modell habe sich am Hamburger Hauptbahnhof bereits bewährt, teilte die Stadt Kiel mit. Der halboffene Betonkubus enthält zwei Urinale aus Edelstahl und zwei Spender für Hand-Desinfektionsmittel. Der Boden ist mit einer automatischen Spülfunktion und einem Abfluss ausgestattet. Für Frauen ist die Einrichtung nichts, doch am Bahnhof seien vor allem wild pinkelnde Männer das Problem, so Oberbürgermeister Ulf Kämpfer.

Ein weiteres Problem am Bahnhof sind Fahrräder, die an den Anstellbügeln vergessen werden, Schilder und Aufkleber machen nun darauf aufmerksam, dass die Haltebügel keine Dauer-Fahrradparkplätze sind. Vermeintliche Schrotträder werden künftig vom ABK entfernt und nach einer anschließenden Aufbewahrungsfrist verschrottet. kst