Oben spannend, unten groß! Schon jetzt beeindrucken die neuen Eingangshäuser des Freilichtmuseums Molfsee

Höchste Zimmermannskunst zeigt sich im Balkenwerk des Dachstuhls im neuen Eingangsgebäude. Das Rautenmuster der Balken findet sich im neuen Logo des Freilichtmuseums wieder. Fotos: Jan Köster

Molfsee. Von der Hamburger Landstraße aus sehen die beiden großen Neubauten für den neuen Eingangs- und Ausstellungsbereich am Freilichtmuseum Molfsee schon ziemlich fortgeschritten aus. Eingeweiht werden sie aber voraussichtlich erst zum Herbst 2020. Doch das Warten darauf dürfte sich lohnen: Der neue Gebäudekomplex ist schon architektonisch sehenswert und wird in Dauer- und Wechselausstellungen die landesweit bedeutendste Sammlung der schleswig-holsteinischen Alltags- und Festkultur, Wirtschafts-, Sozial- und Landesgeschichte präsentieren.

Dafür braucht es Platz. Rund 3000 Quadratmeter Fläche mussten die Architekturbüros überplanen, die sich mit ihren Entwürfen am Wettbewerb für den Zwölf-Millionen-Euro-Neubau beteiligten. Unter den anonymisierten Entwürfen international angesehener Büros überzeugte eine Planung, die sich als schleswig-holsteinisch entpuppte: Gewinner des Wettbewerbs war das Büro ppp Architekten und Stadtplaner aus Lübeck. Während andere Architekten riesige Gebäude vorschlugen, neben denen der unmittelbar benachbarte, eigentlich große, Drathenhof klein wirkte, verlegten die Lübecker Architekten die Ausstellungsfläche unter die Erde und teilten die übrigen Flächen auf zwei Gebäude auf, die sich in Form und Größe fast unauffällig in die Gebäudelandschaft des Freilichtmuseums einfügen.

„Es ging darum, sich mit der regionalen Architektur auseinanderzusetzen, sie aber modern zu interpretieren“, sagt Dr. Wolfgang Rüther, Direktor vom Freilichtmuseum Molfsee – Landesmuseum für Volkskunde. In ihrer äußeren Form und Größe erinnern die beiden oberirdisch sichtbaren Gebäude an historische Häuser wie den mehr als 220 Jahre alten Drathenhof. Doch der Neubau besteht aus Beton. Die oberirdischen Häuser werden außen komplett mit rostrotem Corten-Stahl verkleidet. Zwischen den Häusern befindet sich ein in die Erde gesenkter Lichthof, um den herum die unterirdischen Ausstellungsflächen angeordnet sind. Ein beeindruckender Blickfang ist die von innen sichtbare Holzkonstruktion des riesigen Dachstuhls. Sein Rautenmuster ist bereits das neue Logo des Freilichtmuseums.

Das größere der beiden Gebäude wird der offizielle Eingangsbereich, in dem sich auch etwas größere Gruppen sammeln können – im bisherigen Eingangshaus des Freilichtmuseums ist dafür kaum Platz. Das neue Eingangshaus bekommt auch eine Kaffee-Bar, Toiletten, einen Veranstaltungsbereich für Tagungen und Seminare, einen Shop und natürlich das Ticket-Center. Das kleinere der beiden Häuser soll vor allem für Bildungsangebote genutzt werden.

Aus beiden Häusern führen große Treppen in den Ausstellungsbereich hinunter, der so groß und frei von stützenden Säulen ist, dass dort mühelos auch Kutschen aufgestellt werden können.

Eröffnet wird das Ganze 2020 zu einem Zeitpunkt, zu dem das Freilichtmuseum bis jetzt eigentlich immer in den Winterschlaf geht und geschlossen wird – zum Ende der Saison. Denn auch das ist eine Bereicherung, die das neue Gebäudeensemble bieten wird: die Möglichkeit, ganzjährig Ausstellungen und Veranstaltungen und damit Ausflugsziele für Familien und Gruppen auch im Winter zu bieten. kst

Unter www.neubau-freilichtmuseum-molfsee.de ist unter anderem ein Bautagebuch zu finden, in dem der Baufortschritt laufend dokumentiert wird.