Moderner fürs Klima

Zwei Techniker rüsten die Außenbeleuchtung auf LED-Technik um. Dahinter der neue Niedrigdruck-Gasbehälter mit einem Fassungsvermögen von 5000 Kubikmetern. Foto: tbu

Klärwerk Bülk soll sich bis Ende 2020 selbst mit Energie versorgen können

Kiel. Die Landeshauptstadt Kiel hat große Klimaziele: Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase soll im Stadtgebiet bis 2050 gegenüber 1990 um mindestens 95 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig soll der Endenergieverbrauch halbiert werden.

Eine große Rolle kommt dabei der Abteilung Stadtentwässerung des Tiefbauamtes mit dem Klärwerk Bülk in Strande zu, das sich bis Ende 2020 selbst mit Energie versorgen, also klimaneutral arbeiten soll. Dafür werden in der Anlage, das die Abwässer für Kiel und die Umlandgemeinden (bis zu 380.000 Menschen) klärt, wesentliche Veränderungen und Modernisierungen vorgenommen. Prunkstück ist ein neuer Niedrigdruck-Gasbehälter mit einem Fassungsvermögen von 5000 Kubikmetern. In Verbindung mit zwei neuen Aktivkohle-Reinigungsbehältern wird hier die Verwertung des aus dem Abwasser gewonnenen Stroms (im Faulschlamm entstehendes Gas wird verbrannt und muss dann gereinigt und gespeichert werden) energiesparender. Zugunsten der Eigenstromproduktion, denn das Klärwerk verbrauchte bis zu elf Gigawattstunden Strom im Jahr – in etwa genauso viel wie eine Gemeinde mit 3000 Einwohnern. Zurzeit generiert die Anlage bereits 8,5 Gigawattstunden selbst. „Wir verbrauchen hier eben nicht nur Strom, wir erzeugen ihn auch“, sagt Klärwerksleiter Klaus Reichel.

Doch das ist längst nicht alles, um das Klärwerk klimaneutral werden zu lassen. So wird die Beleuchtung auf dem Gelände auf LED-Technik umgerüstet. Zwar ist dies laut Reichel „nur ein kleiner Beitrag“, doch können dadurch immerhin 88.000 Kilowattstunden jährlich eingespart werden. Amortisieren wird sich diese Investition durch den verringerten Stromverbrauch in acht Jahren bei der Außenbeleuchtung und in sechs Jahren bei der Innenbeleuchtung. Außerdem erhält das Blockheizkraftwerk durch modernere Motoren mehr Kraft. „Dadurch entsteht allerdings weniger Abwärme, mit der bisher im Winter geheizt werden konnte“, erklärt Tiefbauamtsleiter Peter Bender. Folglich müssen neue Heizungen her. Der höchste Energieverbrauch fällt mit 60 Prozent des Gesamtverbrauchs dem Kernstück der Anlage zu: Das Belebungsbecken erhält neue Leitungen und Verdichter, die der Aufbereitung zusätzliche Effizienz verleihen. Mit all den neuen Maßnahmen kommt das Klärwerk Bülk dem Ziel den Energiebedarf komplett selbst zu decken also in großen Schritten näher. Die Kosten dafür betragen laut Stadt insgesamt etwa zehn Millionen Euro. tbu