Königlicher Beinbruch zum Jubiläum

Sowohl Antje Otterson als Kleiner Prinz als auch Ivan Dentler, im Bild als „Eitler“, sind seit 2005 im Rathaus-Innenhof dabei. Foto: Theater Die Komödianten

„Der Kleine Prinz“ im Kieler Rathaus-Innenof das erste Mal seit 25 Jahren ohne Markus Dentler

Kiel. „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry ist irgendwie ein Stück, das man nie zum letzten Mal gesehen hat. Je nach Lebensalter und persönlicher Situation kann jeder immer neue Facetten in diesem kindertauglichen Märchen für Erwachsene entdecken. Für Markus Dentler, Gründer und Chef des Kieler Theaters „Die Komödianten“ stand deshalb schon lange fest, dass der Kleine Prinz das Zeug dazu hat, in Kiel eine Tradition zu begründen und eine Institution werden kann wie der „Jedermann“ in Salzburg. Wenn „Der Kleine Prinz“ am kommenden Freitag, 19. Juli, um 20 Uhr nach zweijähriger Pause wieder Premiere im Kieler Rathaus-Innenhof feiert, dann feiert das Stück an diesem besonderen Aufführungsort auch bereits seinen 25. Geburtstag. Und Markus Dentler steht zum ersten Mal in all den Jahren nicht auf der Bühne.

„Er hat sich das Bein gebrochen und wird zumindest für den Beginn der Spielzeit ausfallen müssen“, sagt Petra Bolek, Pressesprecherin der Komödianten. Glück im Unglück: Markus Dentlers Sohn Ivan, der seit 2005 in wechselnden und jeweils unterschiedlich vielen Rollen im Kleinen Prinzen mitgespielt hat, kann die Paraderolle seines Vaters, den König, mit übernehmen. „Damit spielen wir das Stück in diesem Jahr tatsächlich so, wie es Christiane Peinert damals geschrieben hat: als Drei-Personen-Stück“, sagt Petra Bolek. Die Schauspielerin Christiane Peinert war Markus Dentlers Mutter. Als dieser Anfang der 1970er-Jahre frisch von der Schauspielschule kam, schrieb sie aus dem Klassiker von Antoine de Saint-Exupéry ein Theaterstück, das für drei Darsteller vorgesehen war. Die Musik für die inzwischen von den Erben de Saint-Exupérys offiziell autorisierte Bühnenfassung der Komödianten hat Markus Schmidt-Relenberg komponiert. Seit 1993, also von Anfang an, ist er mit seinem Saxofon auch während der Aufführungen als Musiker im Rathaus-Innenhof dabei.

Nachdem Markus Dentler 1984 in Kiel sein Theater Die Komödianten gegründet hatte, entdeckte er irgendwann zufällig die großartige Akustik im Innenhof des Kieler Rathauses, die ein Spiel ganz ohne Mikrofone und Verstärkeranlage ermöglicht und so dafür sorgt, dass die Schauspieler für das Publikum ganz unmittelbar erlebbar sind.

Am 4. Juni 1993 feierte der Kleine Prinz dort erstmals Premiere. Die Titelrolle spielte damals Martina Riese, Kerstin Schlömp war als Erzähler dabei, Markus Dentler und Herbert Kaluza übernahmen die Rollen der Planeten. Seit 2005 verkörpert Antje Otterson den Kleinen Prinzen, seit ein paar Jahren ist zur Verstärkung als Zweitbesetzung auch Linda Stach dabei. Die Rollen der sieben Planeten sind von Anfang an vor allem Familiensache: In den Jahren 2005 und 2006 waren sogar drei Dentlers dabei: Markus und sein Sohn Ivan spielten die Planeten, Ivans Bruder Isaak, der inzwischen Teil des Ermittler-Teams im Frankfurter „Tatort“ ist, übernahm damals die Rolle des Erzählers.

Verändert hat sich im Laufe der Zeit die Bühne: Anfangs stand sie mit hohen Seitenteilen und einem blau abgehängten Hintergrund direkt unter dem Rathausturm. Inzwischen steht sie seitlich im Hof, und das Rathausgebäude selbst ist Teil des Stücks, wenn zum Beispiel der König plötzlich aus einem Fenster heraus spielt.

Und die Sache mit der Tradition klappt offenbar: „Inzwischen haben wir schon Besucher, die selbst als Jugendliche zum ersten Mal hier waren und jetzt mit ihren eigenen Kindern herkommen“, sagt Petra Bolek. Kst

Der Kleine Prinz, Innenhof des Rathauses Kiel, Freitag, 19. Juli, bis Sonntag, 18. August, Eintritt 22 Euro/erm. 15 und 8 Euro. Infos und Tickets im Internet unter www.komoediantentheater.de