Inklusive Trauerbegleitung Hospiz-Initiative Kiel startet ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt

Teilnehmerin Anika Jonas (li.) und Ausbilderin Jessyka Naase-Begier von der Hospiz-Initiative Kiel blicken zuversichtlich auf die bundesweit erste Schulung für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu Sterbe- und Trauerbegleitern. Foto: Thorben Bull

Kiel. Jessyka Naase-Begier ist sehr froh über die neuen barrierefreien Räumlichkeiten der Hospiz-Initiative Kiel im Walkerdamm 1. Als Koordinatorin wird sie dort das bundesweit neuartige Projekt „Tandem Hospiz Inklusiv“ leiten: eine Schulung für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu Sterbe- und Trauerbegleitern.

Die Idee kam ihr im Laufe ihrer Arbeit als Koordinatorin von „Hospiz Inklusiv“. „Ich habe durch die Begleitung von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, die oft viele Jahre ihres Lebens in betreuten Einrichtungen verbringen, die Erfahrung gemacht, dass sie sehr selbstbestimmt leben und sehr genau wissen, was ihnen gut tut und was nicht“, sagt Jessyka Naase-Begier. Zudem erleben es diese Menschen oftmals hautnah mit, wenn Mitglieder aus dem Familien- und Freundeskreis erkranken oder sterben. „Deshalb sind wir davon überzeugt, dass Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen andere Menschen in ihrem Lebensumfeld mit Trauer- und Abschiedserfahrungen gut begleiten und beraten können“, so Jessyka Naase-Begier weiter.

Um die Menschen mit Behinderung entsprechend auszubilden, werden die Lehrmethoden umgestellt und von den Universitäten in Würzburg und Leipzig wissenschaftlich betreut. „Somit ist die Schulung ein Pilotprojekt“, sagt Jessyka Naase-Begier und führt aus: „Die Themen wie Trauer, Tod und Zukunft werden bleiben, doch arbeiten wir bereits an der Aufbereitung der Inhalte in leichter Sprache.“ Die Teilnehmer müssen sich in einer stabilen seelischen Verfassung befinden, Offenheit gegenüber der Thematik mitbringen sowie kommunikationsfähig sein.

Die Schulung ist für vier Teilnehmer ausgelegt, wobei drei Plätze bereits vergeben sind. Es wird also noch ein weiterer Mensch aus Kiel oder der näheren Umgebung mit Anspruch auf Eingliederungshilfe gesucht. Die Interessenten müssen sich erst nach dem Vortreffen im November entscheiden, ob sie an der im Dezember beginnenden und im August kommenden Jahres endenden Schulung teilnehmen möchten. Dann würden 80 Unterrichtsstunden auf dem Plan stehen. Zudem erhalten die Teilnehmer eine kleine monatliche Aufwandsentschädigung und bei der Abschlussveranstaltung im August ein Zertifikat. Das Fernziel steht laut Jessyka Naase-Begier jedenfalls schon fest. „Wenn – in Anführungsstrichen – „normale“ Menschen von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen in ihrer Trauer begleitet werden – das ist Inklusion!“, findet sie. tbu

Wer mitmachen möchte, meldet sich bei Jessyka Naase-Begier unter Tel. 0431/22033535, 01522/1831604 oder naase@hospiz-initiative-kiel.de